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Über Springer - Presse - Springer Select | Alkohol und Drogen: Auch zu prähistorischen Zeiten ein Thema

Heidelberg / New York, 12. Mai 2014

Alkohol und Drogen: Auch zu prähistorischen Zeiten ein Thema

Neue Studie über die „Anthropologie des Rauschzustandes“ in prähistorischen Gesellschaften in Europa veröffentlicht

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Im Gegensatz zu dem modernen Menschen war der Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen für die prähistorischen Bewohner Europas kein rein hedonistisches Vergnügen. Wann und wie Alkohol und pflanzliche Drogen – etwa Schlafmohn oder halluzinogene Pilze – konsumiert wurden, war streng reguliert und hing eng mit dem Glauben und den heiligen Begräbnisritualen vieler vorindustrieller Gesellschaften zusammen. Elisa Guerra-Doce von der Universidad de Valladolid in Spanien ist der Ansicht, dass die Verwendung dieser Substanzen ein wesentlicher Bestandteil prähistorischen Glaubens war und dass man sie einsetzte, um mit der spirituellen Welt in Kontakt zu treten. Die Forschungsergebnisse von Guerra-Doce erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Archaeological Method and Theory.
Der Konsum von Rauschmitteln ist so alt wie die Menschheit selbst. Dennoch erforschen Wissenschaftler erst seit Kurzem den historischen und kulturellen Kontext, in dem bewusstseinsverändernde Substanzen in Europa konsumiert wurden. Guerra-Doce dokumentierte systematisch die kulturelle Bedeutung des Konsums berauschender Substanzen in diesen Kulturen und erweiterte mit ihrer Forschung die einschlägige Literatur über die Anthropologie von Rauschzuständen der prähistorischen Gesellschaften in Europa.
Im Zentrum der Untersuchung ihrer Forschungsarbeit stehen vier unterschiedliche Arten archäologischer Funde: Makrofossile Überreste von Blättern, Früchten oder Samen psychoaktiver Pflanzen; Rückstände, die auf alkoholische Getränke hinweisen; psychoaktive Alkaloide, die in archäologischen Artefakten und Skelettresten aus prähistorischer Zeit gefunden wurden und schließlich künstlerische Darstellungen von berauschenden Pflanzen und Trinkgelagen. Diese Überreste umfassen zum Beispiel kleine Teile von Schlafmohn in einem Zahn eines erwachsenen Mannes in einer neolithischen Fundstätte in Spanien, verkohlte Cannabissamen in Schalen aus Rumänien, Spuren von Gerstenbier in verschiedenen keramischen Gefäßen auf der iberischen Halbinsel und abstrakte Zeichnungen in den italienischen Alpen, die den rituellen Gebrauch halluzinogener Pilze zeigen.
Weil sie die Spuren bewusstseinsverändernder Substanzen hauptsächlich in Grabkammern und an zeremoniellen Orten fand, ist Guerra-Doce davon überzeugt, dass die Substanzen vor allem zu rituellen Zwecken eingesetzt wurden. Man konsumierte sie, um sein Bewusstsein zu verändern oder in Trance zu fallen. Einzelheiten der Rituale sind immer noch unklar, aber man nimmt an, dass die Substanzen entweder im Rahmen von Begräbnisritualen verwendet wurden, um als Nahrung für den Verstorbenen auf seiner Reise ins Jenseits zu dienen, oder als eine Art Opfer dienten, die den Gottheiten der Unterwelt dargebracht wurden.
Elisa Guerra-Doce ergänzt, dass wahrscheinlich nicht jeder die Substanzen einfach einnehmen durfte, da sie Hilfsmittel waren, um mit der spirituellen Welt in Kontakt zu treten und somit eine sakrale Rolle in prähistorischen Gesellschaften in Europa spielten.
„Pflanzliche Drogen und alkoholische Getränke spielten in prähistorischen Gesellschaften in heiligen Ritualen eine wichtige Rolle und ihr Konsum hatte keine hedonistischen Zwecke“, sagt Guerra-Doce. „Es überrascht nicht, dass die meisten Belege dafür in Elitegräbern und abgegrenzten Kultstätten gefunden wurden. Dies legt die Möglichkeit nahe, dass der Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen im prähistorischen Europa sozial kontrolliert wurde.“
Quelle: Guerra-Doce, E. (2014). The Origins of Inebriation: Archaeological Evidence of the Consumption of Fermented Beverages and Drugs in Prehistoric Eurasia. Journal of Archaeological Method and Theory. DOI 10.1007/s10816-014-9205-z.

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