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Über Springer - Presse - Springer Select | Erkennen Sie den Promi in der Menge?

Heidelberg / New York, 5. Mai 2014

Erkennen Sie den Promi in der Menge?

Studie untersucht anhand von Bildern von Bill Clinton und Mick Jagger, unter welchen Bedingungen wir in der Lage sind, Gesichter zu erkennen oder auch nicht

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In einer Menschenmenge können wir nur zwei Gesichter gleichzeitig erkennen – selbst wenn es sich um Promis handelt. Dies ist das Fazit eines Artikels von Volker Thoma von der University of East London (UK), der sich mit unserer Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, befasst. Der Beitrag ist im Springer-Journal Psychonomic Bulletin & Review erschienen und ist wichtig für die Einschätzung von Augenzeugenberichten oder für die neuropsychologische Rehabilitation.
In zwei Experimenten wurden die Probanden aufgefordert, inmitten anderer unbekannter Gesichter berühmte Politiker wie Tony Blair und Bill Clinton oder auch Popstars wie Mick Jagger und Robbie Williams zu identifizieren. In beiden Fällen war am Rande des Bildschirms ein ablenkendes Gesicht platziert, das die Probanden aber ignorieren sollten.
Im ersten Experiment wurde das Gesicht des Promis im vertikalen Zentrum des Bildschirms gezeigt, entweder alleine oder zusammen mit ein oder zwei unbekannten Gesichtern. Die Teilnehmer mussten schnell beantworten, ob es sich um einen berühmten Politiker oder Sänger handelte. Obwohl man sie aufgefordert hatte, das unbekannte Gesicht am Rand zu ignorieren, beeinflusste dessen Vorhandensein dennoch die Fähigkeit, das Promigesicht zu erkennen. Das zeigt, dass Gesichter schwer zu ignorieren sind. Erschienen mehrere Gesichter im Zentrum, was die Suche nach Mick Jagger schwieriger machte, bemerkten die Probanden das irrelevante Gesicht allerdings nicht mehr. Thoma schließt daraus, dass der Mensch nur wenige Gesichter gleichzeitig erkennen und einordnen kann, gleichgültig, ob sie bekannt sind oder nicht.
Interessanterweise geschah das Gleiche im zweiten Experiment, als um das Bild des Promis herum zusätzliche Gesichter auf dem Kopf standen. Thoma beschreibt dieses Ergebnis als „überraschend“, da auf den Kopf gestellte Gesichter normalerweise schwerer einzuordnen und damit leichter zu ignorieren sind. Man war zuvor davon ausgegangen, dass auf den Kopf gestellte Gesichter nicht als individuelle Gesichter, sondern eher als Objekte wahrgenommen werden. Demnach hätte das Gesicht des Promis auffallen müssen, was aber nicht der Fall war.
Bisher ging man davon aus, dass der Mensch ein Gesicht als Gesamtobjekt oder -bild erkennt und nicht, indem er einzelne Teile (wie Lippen, Ohren, Augen) oder bestimmte Bereiche anschaut, die dann zusammen ein Gesicht ergeben. Thoma sagt nun, dass eher einzelne Gesichtsteile als das ganze Gesicht unsere begrenzte Gesichtserkennungsfähigkeit beeinträchtigen.
„Wir erkennen Gesichter automatisch, solange genügend Kapazität dafür vorhanden ist, nicht aber, wenn diese durch zu viele Gesichter bereits erschöpft ist“, erklärt Thoma weiter. „Die Gesichtserkennung scheint abhängig zu sein von der Menge gesichtsspezifischer Teile und wird selbst dann genutzt, wenn Gesichter auf dem Kopf stehen.“
Quelle: Thoma, V. (2014). Face-specific Capacity Limits under Perceptual Load Do not Depend on Holistic Processing, Psychonomic Bulletin & Review DOI 10.3758/s13423-014-0633-2
Bild: Journal-Cover Psychonomic Bulletin & Review | © Springer

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