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Über Springer - Presse - Springer Select | Wissenschaftler fordern Verbot von Zigarettenfiltern zum Schutz der Umwelt

Heidelberg / New York, 6. Mai 2014

Wissenschaftler fordern Verbot von Zigarettenfiltern zum Schutz der Umwelt

Weltweit landen Billionen gerauchte Zigaretten nicht im Aschenbecher, sondern verschmutzen die Umwelt

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Verbietet Zigarettenfilter! Richtet ein Rückgabesystem für Zigarettenkippen ein! Verpflichtet Hersteller zur Durchführung von Reinigungsaktionen! Druckt Hinweise auf Zigarettenschachteln, die vor den Schäden durch sorglos weggeworfene Zigarettenkippen warnen! Dies sind einige öffentliche Maßnahmen, für die sich Thomas Novotny von der San Diego State University in den USA und Elli Slaughter einsetzen, um die Umweltschäden durch das Wegwerfen von Zigarettenkippen, Zigarettenschachteln und Streichhölzern einzudämmen. In einem Übersichtsartikel, der in der Springer Fachzeitschrift Current Environmental Health Reports erscheint, stellen sie ihre Vorschläge vor.
Zigarettenkippen und andere Abfallprodukte des Rauchens gehören zu den Gegenständen, die am häufigsten bei Reinigungsaktionen in Städten und an Stränden auf der ganzen Welt eingesammelt werden. Geschätzte 4,5 Billionen der jährlich 6 Billionen weltweit verkauften Zigaretten werden nicht in einem Abfalleimer oder einem Aschenbecher entsorgt, sondern einfach am Straßenrand oder auf den Gehweg weggeschnippt. Durch das Rauchverbot in geschlossenen Räumen wurde dieses Problem wahrscheinlich noch verschlimmert.
Die Abfallprodukte des Rauchens enthalten die gleichen Gifte, Nikotin, Pestizide und Karzinogene wie Zigaretten und Zigarren und können die Umwelt und Trinkwasserquellen verschmutzen. Studien haben gezeigt, dass die in Zigaretten enthaltenen Chemikalien wie Arsen, Nikotin, Blei und Ethylphenol in Salz- und Süßwasser sickern können und für Fische und auch die im Wasser lebenden Mikroorganismen akut toxisch sein können.
Nicht nur die Inhaltsstoffe von Zigaretten schädigen die Umwelt, sondern auch die Materialien, aus denen sie hergestellt werden. Zigarettenfilter aus Kunststoff sind praktisch biologisch nicht abbaubar und können bis zu zehn Jahre Chemikalien absondern. Man geht davon aus, dass alleine in den USA jährlich geschätzte 49,8 Millionen Kilogramm Zigarettenfilter weggeworfen werden. Hier ist noch nicht das Gewicht von Tabakresten in den Zigarettenfiltern, weggeworfenen Verpackungen, Feuerzeugen und Streichhölzern oder auch von weiteren Tabakprodukten wie Zigarren und Rauchlosem Tabak (Kautabak) miteingerechnet.
In den Augen der Wissenschaftler sind Filterzigaretten eine „Farce“ in Bezug auf den Verbraucherschutz, wie auch ein kürzlich erschienener Beitrag des National Cancer Institute zeigt. Darin bestätigte Jonathan Samet dem kalifornischen Parlament „(…) dass nachgewiesen ist, dass im letzten halben Jahrhundert Zigaretten mit Filter die Risiken durch Rauchen nicht wesentlich veringerten.“ Novotny und Slaughter schlagen daher vor, Filterzigaretten ganz zu verbieten.
Da die bestehenden Anti-Littering-Gesetze keine Auswirkungen auf das verschmutzende Verhalten von Rauchern hatten, fordern Novotny and Slaughter neue Umweltmaßnahmen und Partnerschaften zwischen der Anti-Tabak-Lobby und Umweltschützern. Sie schlagen ein Gerichtsverfahren vor, um der Tabakindustrie gesetzlich die Verantwortung für Reinigungsaktionen und anfallende Folgekosten im Zusammenhang mit ihren Produkten zur Verantwortung zu ziehen. Außerdem setzen sie sich dafür ein, auf Zigarettenschachteln vor der Giftigkeit von weggeworfenen Zigarettenkippen zu warnen und ein Rückgabesystem für Zigarettenkippen einzurichten, vergleichbar mit dem für Flaschen und Dosen. Weitere Optionen wären eine im Voraus zu entrichtende Recyclinggebühr für die Tabakindustrie oder sie zu verpflichten, alle weggeworfenen Tabak-Abfallprodukte zurückzunehmen.
„Tabak-Abfallprodukte sind allgegenwärtig, gefährden die Umwelt und sind ein großes Ärgernis für die Gemeinschaft“, sagt Novotny. „Von den jährlich gerauchten Zigaretten werden etwa zwei Drittel – also weltweit Billionen – achtlos weggeworfen. Es ist unbedingt erforderlich, die potenzielle Gefahr dieser Abfallprodukte zu berücksichtigen und Entsorgungskonzepte zu entwickeln.“
Quelle: Novotny, T.E. & Slaughter, E. (2014). Tobacco Product Waste: An Environmental Approach To Reduce Tobacco Consumption. Current Environmental Health Reports, DOI 10.1007/s40572-014-0016-x
Bild: Coverabbildung des Journals Current Environmental Health Reports | © Springer-Verlag GmbH

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