Logo - springer
Slogan - springer

Über Springer - Presse - Springer Select | Katastrophendenken typisch für Suizidgefährdete

Heidelberg / New York, 28. April 2014

Katastrophendenken typisch für Suizidgefährdete

Selbstmordkandidaten neigen zu verzerrter Gedankenwelt

10608
In den Vereinigten Staaten ist die Selbstmordrate in den letzten Jahren gestiegen: Fast 40.000 Todesfälle pro Jahr sind momentan auf Selbstmord zurückzuführen. Eine neue Studie macht jetzt deutlich, dass man Selbstmordversuche verhindern könnte, indem man sich unter anderem darauf konzentriert, das verzerrte Katastrophendenken vieler Selbstmordkandidaten in den Griff zu bekommen. Solche negativen Zukunftsvisionen sind für Suizidgefährdete ganz typisch, sagt Shari Jager-Hyman von der University of Pennsylvania Perelman School of Medicine in den Vereinigten Staaten. Jager-Hyman ist Erstautorin einer Studie, die sich damit befasst, wie derartig verzerrtes Denken das Verhalten suizidgefährdeter Patienten beeinflusst, die in psychiatrischen Notaufnahmen behandelt wurden. Die Studie erscheint im Springer-Journal Cognitive Therapy and Research.
An der Studie nahm eine relativ große, ethnisch unterschiedlich zusammengesetzte Gruppe von 168 Probanden aus Notaufnahmen oder geschlossenen psychiatrischen Abteilungen in Philadelphia teil. 111 von ihnen hatten in den 30 Tagen vor der Studie einen Selbstmordversuch unternommen. Die anderen 57 waren in akutpsychiatrischer Behandlung, hatten jedoch in den zwei Jahren vor der Studie keinen Suizidversuch unternommen. In der Studie wird erstmals die Checkliste kognitiver Verzerrungen genutzt, ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung mit 69 Punkten, der bei unterschiedlichen Klinikpatienten genutzt werden soll, um kognitive Verzerrungen einzuschätzen bei Menschen, die kürzlich versucht haben sich umzubringen.
Die Studie ergab, dass Suizidkandidaten häufiger unter Gedankenverzerrungen leiden als andere. Dies betrifft auch ihr Selbstwertgefühl: Im Vergleich mit anderen schneiden sie gedanklich immer schlecht ab, sie sehen sich generell nur negativ. Dies gilt auch, wenn man die Auswirkungen von Depression und Hoffnungslosigkeit in Betracht zieht. Die Ergebnisse der Studie untermauern andere Theorien, die bereits seit Jahrzehnten davon ausgehen, dass Selbstmordgefährdeten ein ganz typisches Denken eigen ist: Erfahrungen oder Reize werden fehlinterpretiert oder falsch verarbeitet.
Wer schon einmal versucht hat sich umzubringen, neigt generell zum permanenten Blick in die Zukunft: Er ist fest davon überzeugt, dass die Zukunft Übles bringen wird. Diese Art von Zukunftsvisionen ist verwandt mit dem Katastrophendenken – andere, wahrscheinlichere Entwicklungen werden erst gar nicht in Erwägung gezogen. Wichtig ist: Zogen die Wissenschaftler das Gefühl der Hoffnungslosigkeit in Betracht, war der Blick in die Zukunft interessanterweise nicht mehr eng mit Selbstmordversuchen verknüpft. Jager-Hyman und ihr Team gehen darum davon aus, dass negative Zukunftsvisionen und Hoffnungslosigkeit sich überschneidende Konstrukte oder Gedanken sind, denen die Angst vor negativen zukünftigen Ereignissen gemein ist.
„Zur Vermeidung von Selbstmordversuchen wäre es für Therapeuten im Rahmen der klinischen Intervention von Nutzen, Gefühle der Hoffnungslosigkeit beim Patienten direkt anzusprechen“, sagt Jager-Hyman. „Ein kognitiver Ansatz kann Patienten helfen, ihren Katastrophenglauben zu relativieren und ihnen andere Möglichkeiten aufzeigen. So lassen sich die Gedanken der Hoffnungslosigkeit unter Umständen minimieren, sie kommen besser zurecht, idealerweise nimmt die Suizidgefährdung ganz erheblich ab.“
Quelle:
Jager-Hyman, S. et al. (2014). Cognitive Distortions and Suicide Attempts, Cognitive Therapy and Research, DOI 10.1007/s10608-014-9613-0.
Bild: Coverabbildung des Journals Cognitive Therapy and Research | © Springer-Verlag GmbH

Service für Journalisten: 

Journalisten erhalten auf Anfrage den vollständigen Artikel.

Kontakt: