Logo - springer
Slogan - springer

Über Springer - Presse - Springer Select | Veränderung von Appetit und Geschmack nach chirurgischer Gewichtsreduktion

Heidelberg / New York, 16. April 2014

Veränderung von Appetit und Geschmack nach chirurgischer Gewichtsreduktion

Patienten berichten häufig von sensorischen Veränderungen nach Roux-en-Y-Magenbypass-OP

11695_024_005
Veränderungen bezüglich des Appetits und der Wahrnehmung von Geruch und Geschmack sind bei Menschen, die sich der sogenannten Roux-en-Y-Magenbypass-Operation unterzogen haben, in deren Verlauf der Magen verkleinert und der Dünndarm verkürzt wird, an der Tagesordnung. Laut Lisa Graham, Hauptautorin einer Studie von Wissenschaftlern der Leicester Royal Infirmary im Vereinigten Königreich sind solche sensorischen Veränderungen aber nicht grundsätzlich als negativ zu bewerten, da sie auch zu einem höheren Gewichtsverlust bei den Patienten führen können. Die Ergebnisse der im Springer-Journal Obesity Surgery erschienen Studie zeigen, dass Patienten nach einer Magenbypass-Operation überaus häufig von sensorischen Veränderungen berichten.
Laut Graham und ihren Kollegen lag es durch ihre täglichen Erfahrungen mit Patienten, die sich einer Magenbypass-OP unterzogen haben, nahe, dass solche Veränderungen oft auftreten. In der wissenschaftlichen Literatur wurde darüber bisher aber überraschend wenig geschrieben. Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wurden den Patienten Fragebögen zugesendet, die zwischen 2000 und 2011 eine solche Operation an den Universitätskliniken in Leicester durchführen ließen. Von diesen beantworteten 103 Patienten die 33 Fragen zu ihrem Appetit und ihrer Wahrnehmung von Geruch und Geschmack.
Die Teilnehmer berichteten fast alle (97 Prozent), dass sich nach der Operation ihr Appetit verändert habe. Insgesamt waren ihre Erfahrungen unterschiedlich: So gaben einige Patienten an, dass sich ihr Geruchs- und Geschmackssinn nicht geändert hatte, wohingegen andere von einer Verstärkung oder Abschwächung berichteten. 42 Prozent aller Befragten, die Veränderungen feststellten, gaben an, dass sich ihr Geruchssinn verändert habe. Sogar 73 Prozent berichteten, dass sich der Geschmack einzelner Nahrungsmittel verändert habe, insbesondere waren die Geschmacksrichtungen süß und sauer betroffen. Außerdem wurden vor allem Veränderungen des Geschmacks von Hühnchen, Rind, Schwein, Bratenfleisch, Lamm und Würstchen berichtet. Auch Fisch, Fast Food, Schokolade, fetthaltige Nahrungsmittel, Nudeln und Reis standen ganz oben auf der Liste.
Drei von vier Patienten (73 Prozent) gaben an, sie hätten nach der OP eine regelrechte Aversion gegen bestimmte Nahrungsmittel entwickelt. Diesbezüglich wurden Fleischprodukte an erster Stelle genannt: Jeder dritte Patient machte einen Bogen um Hühnchen, Hackfleisch, Frikadellen, Würste, Lamm, rohen und gekochten Schinken. Stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Brot und Gebäck wie auch Molkereiprodukte wie Sahne, Eis, Käse oder auch Eier, waren für nahezu 12 Prozent der Befragten ein Tabu. Nur 4 Prozent der Teilnehmer berichteten von einer Aversion gegen Gemüse, 3 Prozent gegen Obst und 1 Prozent gegen Fisch in Dosen.
Interessanterweise kam es bei Patienten mit solchen Abneigungen zu einem deutlich höheren postoperativen Gewichtsverlust und einer Reduzierung des Body-Mass-Index (BMI) als bei Patienten ohne solche Aversionen. Durchschnittlich verloren diese Patienten 8 Kilogramm mehr Gewicht und die BMI-Reduzierung war um 3 kg/m² höher.
Es ist noch unklar, inwieweit solche sensorischen Veränderungen in Geschmack und Geruch sich auf Kalorienaufnahme, Mahlzeitenzusammenstellung und Gewichtsverlust nach Adipositas-Chirurgie auswirken. Graham geht jedoch davon aus, dass derartige Veränderungen auf eine Kombination aus Darmhormonen und im zentralen Nervensystem ausgelösten Effekten zurückzuführen sind.
Das Fazit Grahams steht in Einklang mit dem anderer Studien: „Unsere Arbeit macht deutlich, dass subjektive Veränderungen von Appetit, Geschmack und Geruch nach einer Roux-en-Y-Magenbypass-Operation sehr häufig sind.“ Aufgrund dessen werden bei der Einwilligung zu der Operation Patienten routinemäßig über die Gefahr des Verlustes von Geruchs- oder Geschmackssinn aufgeklärt.
Quelle: Graham, L. et al (2014). Taste, Smell and Appetite Change After Roux-en-Y Gastric Bypass Surgery, Obesity Surgery, DOI 10.1007/s11695-014-1221-2
Bild: Coverabbildung des Journals Obesity Surgery | © Springer-Verlag GmbH

Service für Journalisten: 

Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

Kontakt: 

Saskia Rohmer | Springer | Corporate Communications
tel +49 6221 487 8414 | saskia.rohmer@springer.com