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Über Springer - Presse - Springer Select | Barbie ist nicht unbedingt förderlich für die Karriereträume junger Mädchen

Heidelberg / New York, 5. März 2014

Barbie ist nicht unbedingt förderlich für die Karriereträume junger Mädchen

Wie beeinflusst das Spiel mit Barbie- und Mrs.-Potato-Head-Puppen berufliche Vorstellungen

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„Barbie kann alles werden“ – so zumindest suggeriert es uns ein Werbeslogan. Tatsächlich aber räumen Mädchen, die mit dieser überaus beliebten Puppe spielen, ihren eigenen beruflichen Möglichkeiten wesentlich geringere Chancen ein als denen für Jungen. Aurora Sherman von der Oregon State University und Eileen Zurbriggen von der University of California, Santa Cruz, führten eine der ersten Untersuchungen zu der Frage durch, inwieweit das Spiel mit einer solchen Puppe die Vorstellungen der Mädchen von ihrer beruflichen Zukunft beeinflusst. Die Ergebnisse der Studie, die die Psychologinnen als „ernüchternd“ bezeichneten, erscheinen im Springer-Journal Sex Roles.
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Es steht außer Frage, dass es immer noch viele typische Männer- wie auch Frauenberufe gibt und dass weltweit bezüglich Beschäftigungsrate und auch Verdienst ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern herrscht. Dies war der Hintergrund der Studie, bei der Sherman und Zurbriggen der Frage nachgingen, inwieweit das Spiel mit Puppen die geschlechterspezifische Sozialisation beeinflusst. Ein Prozess, in dem Kinder lernen, sich an kulturelle Normen zu halten und durch den auch geschlechtertypisches Verhalten an die nächste Generation weitergegeben wird.
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37 Mädchen von der Nordwestküste der USA im Alter zwischen vier und sieben wurden nach dem Zufallsprinzip eine Doktor-Barbie-Puppe, eine Fashion-Barbie oder eine eher neutrale Mrs.-Potato- Head gegeben, mit der sie fünf Minuten spielen durften. Anschließend zeigte man ihnen Bilder von zehn Berufen und fragte sie, wie viele davon sie selbst oder Jungen in Zukunft ausüben könnten.
Ganz gleich ob die Barbie-Puppe als Model oder als Ärztin gekleidet war, sahen die Mädchen, die mit ihr gespielt hatten, für sich weniger berufliche Möglichkeiten als für Jungen. Die Mädchen, die mit der Mrs.-Potato-Head-Puppe gespielt hatten, schätzten dagegen ihre Karrieremöglichkeiten als nahezu gleich groß ein.
Bis auf die Kleidung waren beide Barbie-Puppen identisch: unrealistische Körperformen, extrem jugendliche, attraktive Gesichter und langes, volles Haar. Daher gehen die Wissenschaftlerinnen davon aus, dass der Bezug durch die jeweilige Berufskleidung für die meisten Mädchen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das könnte daran liegen, dass die meisten Mädchen eine klare Vorstellung von Barbie an sich – ihrem Aussehen und ihrer geschlechtsreifen Körperform – haben. Sherman und Zurbriggen stellten fest, dass die Reaktion der Mädchen der Objektifizierungstheorie entspricht, nach der Frauen nur ein begrenztes Selbstvertrauen in ihre eigenen Möglichkeiten haben. Die Ergebnisse stimmen auch mit anderen Studien überein, die zeigen, dass es erwachsenen Frauen extrem schwer fällt die Möglichkeit zu akzeptieren, dass man weiblich sein kann, ohne gleichzeitig sexy oder objektifiziert zu sein.
„Vielleicht kann die Barbie ja wirklich „alles werden“, wie uns die Werbung glauben machen will. Nur sehen Mädchen, die mit ihr spielen, diese Möglichkeiten nicht für sich selbst,“ sagt Sherman. Sie geht auch davon aus, dass Barbies und ähnliche Puppen einen Teil dazu beitragen, dass Mädchen häufig mit einer verfrühten und unangemessenen Sexualität belastet sind. „Es sind nicht die Mädchen, sondern der Puppentyp, der unterschiedliche Vorstellungen von Berufswünschen beeinflusst.“
Quelle: Sherman, A.M. & Zurbriggen, E.L. (2014). "Boys Can Be Anything": Effect of Barbie Play on Girls' Career Cognitions, Sex Roles. DOI 10.1007/s11199-014-0347-y
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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