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Über Springer - Presse - Springer Select | Kohlmeise mit Adleraugen: Im Aufstöbern von verstecktem Futter ist sie unschlagbar

New York / Heidelberg, 12. Februar 2014

Kohlmeise mit Adleraugen: Im Aufstöbern von verstecktem Futter ist sie unschlagbar

Schwedische Studie: Die Kohlmeise erinnert sich bis zu 24 Stunden an Futterverstecke anderer Vögel

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Vögel, die für schlechte Zeiten Samen- und Nussvorräte anlegen, sollten sichergehen, dass sie beim Verstecken nicht von einer Kohlmeise beobachtet werden. Laut Anders Brodin und Utku Urhan von der Universität Lund in Schweden erinnern sich Kohlmeisen auch noch 24 Stunden nach ihrer Beobachtung, wo sich solche Futterlager befinden. Kohlmeisen teilen diese Fähigkeit zwar mit bekannten Futtersammlern wie Krähen und Eichelhähern, horten selbst aber interessanterweise kein Futter. Die Ergebnisse der Studie erscheinen nun im Springer-Journal Behavioral Ecology and Sociobiology.
Die Beobachtungen wurden in einem speziell für Vogelexperimente gestalteten Labor durchgeführt. Man ließ in Käfigen gehaltene Kohlmeisen (Parus major) zunächst beobachten, wo Sumpfmeisen (Poecile palustris) Sonnenblumenkerne versteckten. Nach einer Pause von einer bis 24 Stunden durften sich die Vögel dann auf die Suche nach den Verstecken machen. Am besten gelang dies den Kohlmeisen nach einer Stunde, aber auch nach 24 Stunden hatte ihre Fähigkeit, die Verstecke aufzustöbern, nur minimal nachgelassen.
In der Natur ist es ausgesprochen nützlich, andere beim Anlegen von Verstecken zu beobachten und die Position der Vorräte im Gedächtnis zu speichern. Für diese raffinierte Strategie bedarf es einer lang andauernden Gedächtnisleistung, bisher nur bei einigen Rabenvögeln wie dem mexikanischen Eichelhäher und dem Kiefernhäher nachgewiesen. Die aktuelle schwedische Studie zeigt erstmalig, dass auch Mitglieder der Paridae, zu denen die verschiedenen Meisenarten gehören, in der Lage sind, ein auf Beobachtung basierendes räumliches Erinnerungsvermögen zu entwickeln.
Brodin und Urhan schreiben, dass sie in Anbetracht des erfinderischen Futterverhaltens der Kohlmeise keinen Zweifel an deren kognitiven Fähigkeit haben: dieser Vogel ist in der Lage, aus Beobachtungen zu lernen. Schon frühere Untersuchungen haben ergeben, dass sie eine komplexe Nahrungssuche nicht nur bei der eigenen Spezies beobachten und kopieren, sondern auch bei Blau- und Sumpfmeisen.
Was die Wissenschaftler allerdings wirklich überraschend fanden, ist, dass die Spezies selbst gar kein Futtersammler ist und darum möglicherweise gar nicht über die speziellen Gedächtnisadaptationen verfügt, die spezialisierte Futtersammler besitzen. Sie glauben, dass ein Futterdieb im Beobachtungsstand andere Gedächtnistechniken einsetzt als ein Sammler und ein gewisses allozentrisches Raumverständnis hat, das es ihm ermöglicht, die Lage eines Verstecks zu orten, selbst wenn es nicht im Blickfeld ist.
„Die Fähigkeit, Beobachtungen zu speichern, könnte für Nicht-Sammler wichtiger sein als für Sammler; die Überlebenschancen steigen möglicherweise, besonders wenn die Futterlage schlecht ist“, sagt Brodin, „nach einem Schneesturm beispielsweise entscheidet der Zugang zu einem Futterversteck über Leben und Tod.“
Quelle:
Brodin, A. & Urhan, A.U. (2014). Interspecific observational memory in a non-caching Parus species, the great tit Parus major, Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007/s00265-013-1679-2
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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