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Über Springer - Presse - Springer Select | Steckt ein Erdbeben hinter der Abbildung auf dem Grabtuch von Turin?

Heidelberg / New York, 11. Februar 2014

Steckt ein Erdbeben hinter der Abbildung auf dem Grabtuch von Turin?

Wissenschaftler vermuten, dass die Neutronenstrahlung nach einem Erdbeben 33 n. Chr. zur „falschen“ Radiokarbon-Datierung des Grabtuchs geführt haben könnte

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Ein Erdbeben im alten Jerusalem könnte hinter der berühmten Abbildung auf dem Grabtuch von Turin stecken. Das vermutet eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Leitung von Alberto Carpinteri am Politecnico di Torino in Italien, deren Beitrag im Fachjournal Meccanica von Springer erschienen ist. Die Wissenschaftler glauben, dass die von einem Erdbeben verursachte Neutronenstrahlung die Ursache für die Abbildung eines gekreuzigten Mannes auf dem Leinentuch sein könnte. Ebenso könnte diese Strahlung bei der 1988 durchgeführten Kohlenstoff-14 (C14)-Datierung zu einem falschen Ergebnis geführt haben. Viele Menschen glauben, dass es sich bei dem Abdruck auf dem Leintuch um das Bildnis Jesu handelt.
Seit Secondo Pia das Grabtuch im Jahr 1898 zum ersten Mal fotografiert hat, weckt es großes Interesse: Handelt es sich dabei tatsächlich um das Grabtuch Jesu? Wie entstand das Bildnis und wie alt ist es wirklich? Laut einer C14-Datierung im Jahr 1988 war das Tuch zu diesem Zeitpunkt nur 728 Jahre alt. Andere Wissenschaftler vermuteten, dass das Tuch viel älter sei, denn die Datierung könne aufgrund von Neutronenstrahlung und der durch sie verursachten neuen Kohlenstoff-Isotope fehlerhaft sein. Neutronenstrahlung entsteht bei Fusion oder Spaltung von Atomkernen, dabei werden Neutronen von den Atomen freigesetzt, wenn deren Kerne mit den Kernen anderer Atome interagieren.
Allerdings gibt es bisher keine plausible physikalische Erklärung, woher die Neutronenstrahlung stammen könnte, die auf das Turiner Grabtuch eingewirkt haben soll. Jetzt stellte das Team von Alberto Carpinteri aufgrund mechanischer und chemischer Experimente die Hypothese auf, dass solche Neutronenemissionen auf hochfrequente Druckwellen zurückzuführen sind, die bei Erdbeben in der Erdkruste entstehen. Dies ist das Ergebnis ihrer Forschungen zu piezonuklearen Spaltreaktionen, die ausgelöst werden, wenn sehr brüchige Gesteinsproben in einer Presse zerdrückt werden. Bei diesem Verfahren entstehen Neutronen, ohne dass dabei Gammastrahlung entsteht. Analog folgerten die Wissenschaftler daraus, dass auch bei seismischen Aktivitäten wie einem Erdbeben der Neutronenfluss aufgrund dieser Reaktion ansteigt.
Daher vermuten die Wissenschaftler, dass die Neutronenemission des historischen Erdbebens im alten Jerusalem im Jahr 33 n. Chr. mit einer Stärke von 8,2 auf der Richterskala zur Freisetzung von genug Neutronen geführt haben könnte, um bei ihrer Interaktion mit Stickstoffatomkernen Muster zu erzeugen. Die freigewordene Neutronenstrahlung könnte einerseits das Muster auf dem Grabtuch gebildet und andererseits die Menge der in den Leinenfasern gefunden C14-Isotope erhöht haben, was bei der Kohlenstoff-Datierung im Jahr 1988 zu einem verfälschten Ergebnis geführt haben könnte.
„Wir sind davon überzeugt, dass die Möglichkeit besteht, dass die bei Erdbeben erzeugten Neutro-nenemissionen zur Entstehung des Bildnisses auf den Leinenfasern des Grabtuchs geführt haben könnten. Dabei könnten Stickstoffkerne thermische Neutronen absorbiert haben und auch die Ursache für ein falsches Ergebnis bei der Kohlenstoff-Datierung sein“, sagt Carpinteri.
Quelle:
Carpinteri, A. et al (2014). Is the Shroud of Turin in relation to the Old Jerusalem historical earth-quake? Meccanica DOI 10.1007/s11012-013-9865-x.
Nachdruck mit der Erlaubnis der IS & T: The Society for Imaging Science and Technology ausschließlicher Inhaber des Urheberrechtes des Journal of Imaging Science and Technology
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