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Über Springer - Presse - Springer Select | Überraschungselement Motorrad: große Gefahrenquelle im Straßenverkehr

Heidelberg / New York, 27. Januar 2014

Überraschungselement Motorrad: große Gefahrenquelle im Straßenverkehr

Neue australische Studie zeigt: Je mehr Motorräder auf der Straße sind, desto besser werden sie wahrgenommen

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„Ich habe ihn nicht gesehen, ich habe dort nicht mit ihm gerechnet“, könnte eine durchaus zutreffende Entschuldigung für Autofahrer sein, die gerade in einen Bus oder ein Motorrad gekracht sind. Allein die Tatsache, dass diese Fahrzeuge auf unseren Straßen nicht so zahlreich sind wie Autos, macht es für Autofahrer schwieriger, sie wahrzunehmen. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Vanessa Beanland von der Australian National University. Beanland und Kollegen untersuchten an der Monash University, inwieweit der sogenannte „low-prevalence effect“, d. h. das zahlenmäßig geringere Vorkommen eines bestimmten Fahrzeugtyps, die Wahrscheinlichkeit von Unfällen erhöht. Die Studie erscheint im Springer-Journal Attention, Perception & Psychophysics.
Die Auswirkungen dieses Low-prevalence-Effekts auf die Fähigkeit, statische Bilder zu erfassen, wie etwa beim Screening von Gepäck am Flughafen, wurden bereits untersucht. Beanlands Wissenschaftlerteam ist allerdings das erste, das Ergebnisse zu der Frage veröffentlicht, wie sich dieser Effekt auf die Fähigkeit auswirkt, dynamische Aufgaben, wie beispielsweise das Autofahren, sicher durchzuführen.
In einem Experiment am Fahrsimulator mit 40 erwachsenen Fahrern untersuchten sie, ob es für einen Autofahrer leichter ist, einen bestimmten Fahrzeugtyp zu entdecken und entsprechend zu reagieren, wenn er im Verkehr häufiger vorkommt. Zwei Fahrzeugtypen galt es zu entdecken: Motorräder und Busse. Die Häufigkeit des Vorkommens beider Typen variierte. Die eine Hälfte der Probanden wurde mit einem hohen Aufkommen von Motorrädern und wenig Bussen konfrontiert, bei der anderen Hälfte war es umgekehrt.
Obwohl die Teilnehmer explizit aufgefordert waren, nach Bussen und Motorrädern Ausschau zu halten, stellten die Wissenschaftler fest, dass die Aufmerksamkeit der Beobachter während der simulierten Entdeckungsfahrt verstärkt dem häufiger vorkommenden Fahrzeug galt. Dies wiederum hatte Auswirkungen auf die Schnelligkeit, mit der die Fahrer weniger häufig vorkommende Ziele aufspürten. Gab es in dem simulierten Test mehr Motorräder, entdeckten die Autofahrer sie im Schnitt schon 51 Meter weiter entfernt als in den Tests, in denen sie weniger oft vorkamen. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h hatten die Fahrer somit 3 Sekunden mehr Reaktionszeit. Ebenso hatten die Fahrer in den Tests mit häufiger vorkommenden Bussen zusätzlich 4,4 Sekunden Zeit, um auf diese Fahrzeuge zu reagieren.
Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Tatsache, dass Autofahrer Motorräder nicht immer wahrnehmen, zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass sie auf unseren Straßen relativ selten sind. Die Autofahrer sind einfach nicht auf sie eingestellt. Mit der Erhöhung des Vorkommens eines visuellen Ziels kann man unter Umständen zumindest temporär dafür sorgen, dass es innerhalb einer spezifischen visuellen Umgebung besser wahrgenommen wird.
„Mit eher selten auftauchenden Fahrzeugen und Gefahren haben Autofahrer größere Schwierigkeiten als mit dem, was sie häufig sehen“, sagt Beanland. Sie glaubt, dass es im Interesse sicheren Fahrens und der Vermeidung von Unfällen entscheidend ist, die visuelle Umgebung genau erfassen zu können.
Quelle: Beanland, V. et al. (2014) Safety in numbers: Target prevalence affects the detection of vehicles during simulated driving, Attention, Perception, & Psychophysics. DOI 10.3758/s13414-013-0603-1
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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