Logo - springer
Slogan - springer

Über Springer - Presse - Springer Select | Froschväter legen ihre Kaulquappen im ‚Kannibalentümpel‘ ab

Heidelberg / New York, 20. Januar 2014

Froschväter legen ihre Kaulquappen im ‚Kannibalentümpel‘ ab

Männliche Pfeilgiftfrösche treffen scheinbar seltsame elterliche Entscheidungen, indem sie ihre Kaulquappen in gefährliche Wasserlöcher ablegen

STall_Male-Dendrobates-tinctorius_296px
Wenn es an der Zeit ist, dass männliche Pfeilgiftfrösche ihre kleinen Kaulquappen zur Metamor-phose ablegen, so bringen sie sie lieber in ein Wasserloch mit fleischfressenden Artgenossen als in einen leeren Teich. Die Froschväter setzen ihre Heranwachsenden nur dann in leeren Wasserlöchern ab, wenn sie sehen, dass die anderen Wasserlöcher bereits mit Kaulquappen der gleichen Größe voll besetzt sind. Auf den ersten Blick scheint dies eine nicht nachzuvollziehende Entscheidung zu sein, wenn man bedenkt, wie häufig größere Kaulquappen in natürlichen Was-serlöchern kleinere Tiere einfach auffressen, schreibt Bibiana Rojas von der finnischen Universität Jyväskylä. Ihre Forschungsergebnisse erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
Bibiana Rojas untersuchte eine Pfeilgiftfrosch-Population (Dendrobates tinctorius) in den Wäldern von Französisch-Guayana. In der Natur setzen diese Frösche ihren Laich mit vier bis fünf Eiern ab. Wenn sie schlüpfen, tragen die Männchen die Kaulquappen zu wassergefüllten Baumlöchern oder Palmendeckblättern. Sobald sich die Kaulquappen an ihrem Aufzuchtplatz befinden, bleiben sie unbeaufsichtigt und können diesen Platz auch nicht verlassen, bis sie etwa zwei Monate später ihre Metamorphose durchlaufen.
Im Allgemeinen hat die Wahl eines guten Laichplatzes beim Absetzen der Kaulquappen direkte Auswirkungen auf ihre Überlebenschancen oder die Fortführung der elterlichen Gene. Schließlich hängt von den Bedingungen im Larvenstadium ab, wann die Metamorphose einsetzt und wie groß die Kaulquappen dann sind, d.h. dies bestimmt ihre Entwicklung und ihr Überleben.
Bibiana Rojas fand heraus, dass die Pfeilgiftfroschmännchen ihre frisch geschlüpften Kaulquappen lieber in Wasserlöchern mit größeren Larven von Artgenossen absetzen, wenn sie die Wahl haben, auch wenn sie dort eher gefährdet sind, von anderen gefressen zu werden.
Die Wissenschaftlerin ist überzeugt, dass die Anwesenheit größerer Larven von Artgenossen für die Froschväter ein Signal ist, dass die Bedingungen in einem bestimmten Wasserloch für die Entwicklung ihrer Larven besonders förderlich sind. Darüber hinaus kann es sein, dass Eltern wahrscheinlich wenig Alternativen haben und daher ihre Kaulquappen in bereits besetzte Wasserlöchern absetzen, weil es nur wenig geeignete in der Umgebung gibt.
„Die Anwesenheit und Größe von Artgenossen beeinflusst die elterliche Entscheidung bei der Auswahl eines Aufzuchtortes für ihre Nachkommen“, sagt Bibiana Rojas. „Die auf den ersten Blick unverständliche Entscheidung der Eltern, ihre Nachkommen bei größeren Kannibalen abzusetzen, ist letztendlich dann doch nicht so seltsam.“
Die Forscherin fügt hinzu, „Die Entscheidung ist wie ein Glücksspiel für den Froschvater! Es besteht das Risiko, dass seine Kaulquappen von größeren Bewohnern eines besetzten Wasserlochs gefressen werden - ein unbesetztes Wasserloch könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass notwendige Grundvoraussetzungen für die Entwicklung, wie die ständige Anwesenheit von Wasser, nicht erfüllt sind. Wenn der Vater Glück hat und seine Kaulquappen nicht gefressen werden, kann es letztendlich in einem stabilen Wasserloch sicherer sein, als in einem, das leicht austrocknet.“
Quelle:
Rojas, B. (2014). Strange parental decisions: fathers of the dyeing poison frog deposit their tadpoles in pools occupied by large cannibals, Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007/s00265-013-1670-y
Der Volltext-Artikel, ein Video und Fotos sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.
Bildquelle: Bibiana Rojas

Contact