Logo - springer
Slogan - springer

Über Springer - Presse - Springer Select | Die geografische Lage beeinflusst die Ausbreitung des Traubenwicklers in französischen Weinbergen

Heidelberg / New York, 8. Januar 2014

Die geografische Lage beeinflusst die Ausbreitung des Traubenwicklers in französischen Weinbergen

Studie liefert Einblicke, wie regionale Unterschiede und lokale Temperaturen die Immunabwehr von Pflanzenschädlingen beeinflussen

00114_101_002
Die Suche nach der ‚besten Lage‘ scheint auch für einen Schädling wie den Bekreuzten Traubenwickler zu gelten. Die Pflanzenschädlinge suchen sich bestimmte französische Weinanbaugebiete aus, die für sie die optimalen Voraussetzungen bieten, sei es im Hinblick auf die von ihnen bevorzugte Rebsorte oder die jeweils ansässigen natürlichen Feinde. Dies zeigen neue Forschungsergebnisse, die unter der Leitung von Fanny Vogelweith von der Université de Bourgogne und INRA Bordeaux-Aquitaine in Frankreich gewonnen wurden. Der Beitrag ist online in der Springer-Fachzeitschrift Naturwissenschaften – The Science of Nature erschienen.
Der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana) ist ein weitverbreiteter Schädling in Europa. Die Fressschäden der Larven an den Trauben begünstigen die Infektion der Trauben mit pathogenen Pilzen wie dem Grau- und Schwarzschimmel. Das führt bei den Weinbauern zu Verlusten.
Um besser zu verstehen, wie sich die Motte entwickelt, untersuchte das Team von Fanny Vogelweith, inwieweit die immune Art ihrer Wildpopulationen durch ihre Wirtspflanzen und natürlichen Feinde beeinflusst wird. Dies ist ein wichtiger Faktor, da die Erhaltung des Immunsystems im Allgemeinen für die meisten Organismen sehr aufwändig ist und Wachstum und Ausbreitung hemmen kann.
Das Forschungsteam sammelte und vermaß Larven von bis zu fünf unterschiedlichen Rebsorten in Weinbergen in sechs französischen Weinanbaugebieten: Elsass, Aquitanien, Burgund, Champagne-Ardennen, Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte d'Azur. Auch Parasiten auf diesen Larven wurden gesammelt und analysiert.
Die Wissenschaftler fanden ausgeprägte geographische Unterschiede bei der Immunabwehr und der Menge der Parasiten in natürlichen Populationen des Traubenwicklers. Je mehr Parasiten in einem Weinberg gefunden wurden, desto stärker war das Immunsystem des Schädlings ausgebildet zu Lastendes Körperwuchses. Diese Forschungsergebnisse legen nahe, dass sich die Immunabwehr auf Kosten des Metabolismus entwickelt.
Die Larvenproben aus der südlichen Region von Chardonnay-, Pinot-Gris- und Pinot-Noir-Sorten wiesen tendenziell mehr Hämozyten, die für das Immunsystem typisch sind, sowie eine höhere antimikrobielle Aktivität auf als die Larvenproben aus der nördlichen Region. Dies könnte an den durchschnittlichen lokalen Temperaturunterschieden entlang des Nord-Süd-Gefälles von den Weinanbaugebieten Champagne-Ardennen und Elsass im Norden hin zu Aquitanien und Provence-Alpes-Côte d'Azur im Süden liegen. Dadurch lassen sich die Unterschiede innerhalb der gleichen Rebsorte erklären.
„Die Forschungsergebnisse zeigen die wichtige Rolle von Wirtspflanzen und Raubparasiten als einzelne Faktoren, die die Immunabwehr von Wirten unter natürlichen Bedingungen beeinflussen“, sagt Fanny Vogelweith. „Studien wie diese sind von zentraler Bedeutung, um zu verstehen, wie unterschiedlich sich Immunfunktionen unter den jeweiligen selektiven Bedingungen ausprägen.“ Die Wissenschaftlerin fügt hinzu, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien, um den Einfluss der Rebsorte auf das Immunsystem zu klären.
Quelle: Vogelweith, F. et al (2013). Geographical variation in parasitism shapes larval immune function in a phytophagous insect, Naturwissenschaften – The Science of Nature DOI 10.1007/s00114-013-1119-1
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

Kontakt: