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Über Springer - Presse - Springer Select | Mit Wasser die Luft in China reinwaschen

Heidelberg / New York, 7. Januar 2014

Mit Wasser die Luft in China reinwaschen

Bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung haben sich Forscher auf dem Gebiet des Geoengineering Anregungen von Bewässerungstechniken zunutze gemacht

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Wissenschaftler haben eine neue Methode im Kampf gegen die Luftverschmutzung entwickelt: Wasser über Sprinkleranlagen auf hohen Gebäuden und Türmen in die Atmosphäre sprühen, etwa so als würde man einen Garten bewässern. Diese Idee kommt von Shaocai Yu von der Zhejiang University in China und der North Carolina State University in den USA. In einem Beitrag, der online in der Springer-Fachzeitschrift Environmental Chemistry Letters erscheint, schlägt Shaocai Yu diese Methode als neuen Ansatz vor, um die starke Luftverschmutzung und die dichten Dunstschleier in vielen Städten in China und der ganzen Welt zu bekämpfen.
In den letzten dreißig Jahre haben Chinas Megastädte immer stärker unter der schweren Luftverschmutzung gelitten. Verantwortlich dafür ist das rasante und extreme Wachstum von Wirtschaft und Industrie in den letzten Jahrzehnten. Eine solche Luftverschmutzung ist nicht ohne Weiteres beherrschbar, da sie ganz unterschiedliche Ursachen hat, wie kohlebasierte Energieerzeugung, den Verkehr und den Betrieb von Heizungen in den Riesenstädten.
In ihrem neuen Beitrag empfiehlt Shaocai Yu das Versprühen von Wasser in der Atmosphäre, um auf diese Weise natürliche atmosphärische Niederschläge zu simulieren. Höchst effektiv sollen dadurch aerosolartige und gasförmige Schadstoffe aus der Luft gereinigt oder gesammelt und entfernt werden. Auch wenn in anderen Fällen die Verwendung von chemischen Zusätzen als angebracht erscheinen mag, empfiehlt Shaocai Yu darauf zu verzichten, um das Verfahren so natürlich wie möglich zu halten und eventuelle umweltschädigende Begleiterscheinungen zu vermeiden. Außerdem könnte das bei diesem Verfahren verwendete Wasser wieder aufgefangen und nochmals verwendet werden, so dass hier keine Engpässe in der Wasserversorgung entstehen.
Shaocai Yu prognostiziert, dass diese Geoengineering-Maßnahme dabei helfen könnte, die Feinstaubbelastung in der Atmosphäre effizient auf ein sichereres Niveau von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter zu reduzieren. Dies könnte, je nach Art des Versprühens, in kurzer Zeit erreicht werden. Um die Ansammlung der Luftverschmutzung und die Entstehung von Dunstschleiern in der Atmosphäre zu verhindern, müsste die Technik täglich angewendet werden. Shaocai Yu hält das Verfahren für sehr natürlich, technologisch umsetzbar, effizient und kostengünstig. Alle für die Umsetzung erforderlichen Technologien und Materialien stehen bereits zur Verfügung: hohe Gebäude, Türme und Flugzeuge, Technologien zur Beeinflussung des Wetters und automatische Sprinkleranlagen.
„Wenn im Vorfeld jeder Bereich in einer Stadt sorgfältig und überlegt analysiert wird, bietet diese Geoengineering-Technik einen umweltfreundlichen Ansatz ohne große Begleiterscheinungen. Er lässt sich für kleinere Bezirke oder in größerem Maßstab anwenden und dies bei geringem Kostenaufwand“, schreibt Shaocai Yu. „Wenn Sie eine halbe Stunde für die Bewässerung Ihres Gartens verwenden können, können Sie auch eine halbe Stunde auf die Bewässerung Ihrer unmittelbaren Umwelt verwenden, um die Luft mit dieser Technik sauber zu halten.“
Derzeit werden Forschungen und Experimente zur Entwicklung eines geeigneten Bewässerungssystems durchgeführt, um die Geoengineering-Technik erfolgreich umzusetzen.
Quelle: Yu, S. (2013). Water spray geoengineering to clean air pollution for mitigating haze in China’s cities, Environmental Chemistry Letters. DOI 10.1007/s10311-013-0444-0.
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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