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Über Springer - Presse - Springer Select | Wenn Firmen in sozialen Netzwerken spionieren, schrecken sie potenzielle Bewerber ab

Heidelberg / New York, 17. Dezember 2013

Wenn Firmen in sozialen Netzwerken spionieren, schrecken sie potenzielle Bewerber ab

Aufdringliches Bewerber-Screening fördert weder das Image noch die Attraktivität eines Unternehmens – Rechtsstreite sind möglicherweise vorprogrammiert

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Unternehmen auf Personalsuche sollten die heimliche Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook beim Bewerber-Screening überdenken. Laut William Stoughton von der North Carolina State University wird dies von Bewerbern oft als Eindringen in ihre Privatsphäre gesehen und könnte ein schlechtes Licht auf das Unternehmen werfen. Gerichtliche Auseinandersetzungen könnten die Folge sein. Stoughton hat als Hauptautor seine Ergebnisse jetzt in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Business and Psychology veröffentlicht.
In einem Experiment untersuchte das Forschungsteam von Stoughton, wie Bewerber auf die Überprüfung ihrer Accounts in sozialen Netzwerken durch potenzielle Arbeitgeber reagierten. In einem anderen Teil der Studie mussten die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit einem vorgesehenen Selektionsprozess durch ein simuliertes Selektionsszenario bewerten. In beiden Fällen gaben die Teilnehmer zu Protokoll, wie sie das Eindringen in ihre Privatsphäre empfanden und ob Unternehmen für sie durch solche Praktiken an Attraktivität einbüßten. In einem weiteren Experiment wurden die Probanden gefragt, ob sie im Falle eines derartigen Screenings juristische Schritte in Erwägung zögen.
Die Ergebnisse machen deutlich: Für Bewerber ist die Überprüfung ihrer Accounts in sozialen Netzwerken vor der Einstellung ein Eingriff in die Privatsphäre – manch einer würde in einem solchen Fall daran denken, das Unternehmen zu verklagen. Derartige Praktiken mindern die Attraktivität eines Unternehmens während verschiedener Phasen des Selektionsprozesses deutlich.
Für Stoughtons Team wurde eines ganz deutlich: Bewerber reagieren äußerst empfindlich auf die Missachtung der Privatsphäre, gleichgültig, ob sie den Job bekommen oder nicht. Manch ein Bewerber schlägt ein Stellenangebot vielleicht sogar aus, wenn er die schlechte Behandlung im Vorfeld als einen Hinweis darauf wertet, wie mit ihm später umgesprungen werden könnte. Vorangegangene Studien haben bereits gezeigt, dass Mitarbeiter, die während des Auswahlprozesses mit unfairen Praktiken zu tun hatten, die Stelle aber dennoch antraten, später häufig eine negative Einstellung zum Unternehmen hatten. Solche mit den Anfangserfahrungen verbundenen Vorbehalte bleiben im Job oft erhalten und führen zu schlechten Leistungen und hoher Fluktuation.
Stoughton rät Bewerbern, die Nutzung ihrer Facebook-Seiten als private Foren für Diskussionen mit Freunden zu überdenken und wachsamer zu sein. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Nachfrage nach einem neuen sogenannten „Reinigungsservice“ hin, mit dessen Hilfe fragwürdiges Material aus der Internetpräsenz von Einzelnen entfernt werden kann. Dies könnte vor allem für Menschen wertvoll sein, die sich um sensible Positionen bewerben, die eine Sicherheitsüberprüfung notwendig machen.
„Das Spionieren in sozialen Netzwerken könnte für Bewerber die Attraktivität eines Unternehmens während verschiedener Phasen des Auswahlverfahrens erheblich mindern, vor allem, wenn der gesamte Bewerberpool weiß oder befürchtet, dass die Firma solche Praktiken pflegt“, sagt Stoughton. „Internetforen und soziale Medien machen es Jobsuchenden leicht, sich über ihre Erfahrungen und Meinungen mit anderen auszutauschen. Für einen verärgerten Bewerber ist es daher nicht schwer, die Einstellung anderer zu einem Unternehmen zu beeinflussen.“
Quelle:
Stoughton, J.W. et al (2013). Examining Applicant Reactions to the Use of Social Networking Websites in Pre-Employment Screening, Journal of Business and Psychology. DOI 10.1007/s10869-013-9333-6.
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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