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Über Springer - Presse - Springer Select | Schwangere kommen überall durch

Heidelberg / New York, 16. Dezember 2013

Schwangere kommen überall durch

Schwangere können genau einschätzen, wie viel Platz sie für ihren wachsenden Körperumfang benötigen

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Trotz ihrer veränderten Körpermaße können Schwangere genauso gut wie andere Menschen einschätzen, ob ihr Körper durch Zwischenräume wie etwa eine Tür passt oder nicht. Diese Fähigkeit beruht auf der sogenannten ‚perzeptuellmotorischen‘ Anpassung. Sie hilft dem Menschen, die räumliche Wahrnehmung ihrer Umgebung an ihre veränderten Körpermaße und körperlichen Fähigkeiten anzupassen. Das sagen John Franchak und Karen Adolph von der New York University in den USA. Ihre Ergebnisse erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Attention, Perception, & Psychophysics. Es ist die erste Studie, bei der diese besondere Fähigkeit der Anpassung mit Menschen und nicht im Experiment untersucht wurde.
In der Möglichkeit, bestimmte Handlungen auszuführen, zeigt sich das Zusammenspiel zwischen Körper und Umgebung, was allgemein als „Affordanz“ bezeichnet wird. Wenn sich der Körper in Bezug auf die Umgebung verändert, ändert sich auch die Affordanz. Diesem Prozess unterliegt der Mensch sein ganzes Leben. Mit zunehmendem Alter verändern sich die motorischen Fähigkeiten, der Körperumfang sowie die Morphologie. Schwangerschaft oder Krankheit beispielsweise führen zu Veränderungen des Körperumfangs und der Körperform, die sich jedoch nur für eine begrenzte Zeitspanne auf die Handlungen eines Menschen auswirken.
Die Wissenschaftler untersuchten die Vermutung, dass die Affordanz-Wahrnehmung während der Schwangerschaft beeinträchtigt sein könnte. Sie wollten herausfinden, ob Schwangere ihre Einschätzungen auf Basis ihrer ursprünglichen Körpermaße vor der Schwangerschaft treffen oder ob sie in der Einschätzung ihrer aktuellen Körpermaße immer ein wenig hinter dem tatsächlichen Umfang ihres Körpers liegen.
Vom ersten Experiment, an dem elf Frauen während ihrer Schwangerschaft teilnahmen, konnten die Wissenschaftler ableiten, dass Schwangere sich vollständig an ihre sich verändernden Umstände anpassen, wenn sie durch eine Tür hindurchschreiten. Die Fehlerrate war vergleichbar mit der von nicht schwangeren Erwachsenen. Mit zunehmendem Bauchumfang passten sie diesem auch ihre Einschätzungen an, was die Größe von Türöffnungen betraf und ihre Möglichkeiten, diese seitlich zu durchqueren.
Da sich der Körperumfang bei Schwangeren nur langsam verändert und sie deshalb den Vorteil haben, sich täglich auf ihren veränderten Körper einzustellen, wurde ein weiteres Experiment durchgeführt. Dabei trugen die Teilnehmer einen künstlichen Schwangerschaftsbauch, der etwa dem neunten Monat entsprach. Zunächst kam es bei den Teilnehmern zu deutlichen Fehleinschätzungen bei der Affordanz und zur Überkompensation des zusätzlichen Körperumfangs. Nachdem sich die Teilnehmer allerdings bewegen und üben durften, konnten sie die erforderlichen Änderungen vornehmen und passten ihr Verhalten an. Die Bewegung ermöglichte eine präzisere perzeptuellmotorische Anpassung.
„Schwangere können genau einschätzen, wie viel Platz sie für ihren zunehmenden Körperumfang benötigen“, schreibt Franchak. Er betont, dass Veränderungen des Körpers in Bezug auf eine Aufgabe und eine Umgebung gesehen werden müssen und darauf, was möglich ist und was nicht.
„Die Erfahrung einer Gewichtszunahme oder eines Gewichtsverlustes ist vergleichbar mit einer Schwangerschaft. Wahrscheinlich ist auch hier Erfahrung erforderlich, um sich an die veränderten Körpermaße anzupassen. Der Mensch muss immer wieder lernen auszuloten, wie sein Körper sich an spezielle räumliche Erfordernisse anpassen kann.“, fügt Karen Adolph hinzu.
Quelle: Franchak. J.M. & Adolph, K.E. (2013). Gut estimates: Pregnant women adapt to changing possibilities for squeezing through doorways, Attention, Perception, & Psychophysics
DOI 10.3758/s13414-013-0578-y
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

Kontakt: 

Franziska Hornig, Tel. +49 6221 4878414, franziska.hornig@springer.com