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Über Springer - Presse - Springer Select | Fliegen mit langem Saugrüssel haben die Nase vorn

Heidelberg / New York, 10. Dezember 2013

Fliegen mit langem Saugrüssel haben die Nase vorn

Saugpumpen im Kopf einer Fliege helfen, den Nektar effizienter aufzunehmen

NWH Prosoeca   ©Florian Karolyi
Bei Fliegen mit einem sehr langen Saugrüssel scheint die Nektaraufnahme auf den ersten Blick besonders lange zu dauern. Tatsächlich haben diese Fliegen aber einen Vorteil gegenüber ihren Artgenossen, die mit einem durchschnittlich langen Saugrüsseln Nektar aufnehmen. Sie können den in einer Blüte vorhandenen Nektar fast vollständig auf einmal aufnehmen, da sie ein effizienteres Saugorgan im Kopf besitzen. Zu diesem Ergebnis kommen Florian Karolyi von der Universität Wien in Österreich und seine Kollegen in ihrer Studie, die sie in der Region Namaqualand in Südafrika durchführten. Ihre Forschungsergebnisse sind online in der Springer-Fachzeitschrift Naturwissenschaften – The Science of Nature erschienen.
Der extrem lange, dünne Saugrüssel einer Art aus der Insektengattung Prosoeca (Nemestrinidae) entwickelte sich als Anpassung an die Nektaraufnahme aus langen, röhrenförmigen Blüten. Die Fliege führt ihren Saugrüssel in die Blüte ein und verwendet ihn wie einen Strohhalm, um den Nektar aufzunehmen. Durch die Saugpumpe im Kopf entsteht eine Druckdifferenz entlang des Saugrüssels, wodurch die Nektaraufnahme ermöglicht wird. Der Nektar mit dem höchsten Zuckergehalt bietet die größte Energiemenge. Biophysikalisch gesehen führt aber eine höhere Zuckerkonzentration im Nektar zu einer exponentiell erhöhten Viskosität, wodurch die Aufnahme von Nektar mit hohem Zuckergehalt durch einen dünnen Saugrüssel erschwert wird.
Da sich die Länge des Saugrüssels bei der gleichen Fliegenart sichtbar voneinander unterscheidet, stellten sich Florian Karolyi und sein Team die Frage, ob Fliegen mit längeren Saugrüsseln mehr Zeit für die Nektaraufnahme benötigen, weil ihnen die Aufnahme des Nektars vielleicht schwerer fällt. Das würde bedeuten, dass sie bei der Nektaraufnahme mehr Energie aufwenden würden. Um diese Frage zu beantworten, konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die eine parasitoide Nemestrinidae aus der Gattung Prosoeca, die sich vom Nektar des Irisgewächses, Lapeirousia oreogena ernährt. Das Wissenschaftlerteam zeichnete das Verhalten der Insekten mit einer Kamera auf, vermaß die Länge seines Körpers sowie des Saugrüssels und untersuchte die Kopfmuskulatur mit Micro Computertomographie.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Gegenteil der Fall war. Fliegen mit längerem Saugrüssel besitzten eine effizientere, zweiteilige Saugpumpe, wobei die Länge des Saugrüssels und das Muskelvolumen des Saugorgans aufeinander abgestimmt sind. Damit ist die Fliege in der Lage, mehr Nektar bei einem einzelnen Besuch der Blüte aufzunehmen. Dadurch besitzt das Insekt einen möglichen Vorteil gegenüber Fliegen mit einem durchschnittlich langen Saugrüssel. Die genaue Untersuchung der Anatomie von Fliegen mit einem langen Saugrüssel gibt auch Hinweise darauf, dass die Vorfahren der Nemestrinidae wahrscheinlich blutsaugende Insekten waren.
„Fliegen gehören zu einer der wichtigsten, aber häufig unterschätzten Gruppe blütenbesuchender und bestäubender Insekten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Prosoeca-Art eine extrem angepasste und effiziente Insektenart ist, die sich von Nektar ernährt“, sagt Florian Karolyi.
Quelle: Karolyi, F. et al. (2013). Time management and nectar flow: flower handling and suction feeding in long-proboscid flies (Nemestrinidae: Prosoeca), Naturwissenschaften – The Science of Nature DOI 10.1007/s00114-013-1114-6
Der Volltext-Artikel, ein Video und Fotos sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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