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Über Springer - Presse - Springer Select | Arbeit und Familie in Einklang zu bringen bereitet Ärzten Probleme

Heidelberg / New York, 16. September 2013

Arbeit und Familie in Einklang zu bringen bereitet Ärzten Probleme

Burnout und Depressionen unter Ärzten nehmen zu – betroffen sind in den USA vor allem Mediziner mit langen Arbeitszeiten, die Jüngeren und Frauen

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Aufgrund langer Arbeitszeiten und hohem beruflichen Engagement scheinen amerikanische Ärzte und ihre Partner mehr Auseinandersetzungen über häusliche und familiäre Pflichten zu haben als Personen aus anderen Berufsgruppen. Dieser ständige Kampf um die Work-Life-Balance ist vor allem problematisch für Mediziner, deren Lebenspartner ebenfalls berufstätig sind, für weibliche und jüngere Ärzte und für Mediziner an akademischen Zentren. Die Problematik offenbart sich in Form von Burnout, Depressionen und geringerer Lebenszufriedenheit. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie1 unter der Leitung von Liselotte Dyrbye von der Mayo Clinic in den Vereinigten Staaten, die Springer im Journal of General Internal Medicine2 veröffentlicht hat.
Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 7.288 Medizinern (davon 75,2 Prozent Männer) und 891 Partnern (73 Prozent Frauen), die per Mail einen Fragebogen ausfüllten. Gefragt wurden sie unter anderem nach ihrer wöchentlichen Arbeitszeit, Burnout- und Depressionssymptomen, Konflikten zwischen persönlichen und beruflichen Verpflichtungen, Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance und Selbstmordgedanken. Im Schnitt waren die befragten Mediziner und ihre Partner 55 beziehungsweise 51 Jahre alt, die meisten hatten Kinder.
Größere Probleme mit der Balance zwischen Arbeits-und Privatleben hatten der Studie zufolge Mediziner mit längeren Arbeitszeiten, jüngere Ärzte, Ärztinnen sowie Ärzte an akademischen Zentren. Unter ihren berufstätigen Partnern wiederum wurde nur die längere Arbeitszeit mit Konflikten dieser Art in Verbindung gebracht, nachdem weitere persönliche und arbeitsabhängige Faktoren berücksichtigt worden waren. Mediziner, bei denen es in den drei Wochen vor der Studie zu entsprechenden Konflikten kam, hatten häufiger Burnout-Symptome und Scheidungsgedanken als andere mit einem weniger konfliktbeladenen Privat-und Berufsleben. In den meisten Fällen waren die Mediziner und ihre berufstätigen Partner in der Lage, ihre beruflichen und privaten Konflikte so zu lösen, dass sie allen Verpflichtungen gerecht wurden. Im Vergleich zu ihren Partnern jedoch stand bei den Medizinern häufiger der Beruf an erster Stelle.
Die Erkenntnis, dass Männer und Frauen den Konflikt Arbeit / Familie unterschiedlich empfinden, lässt vermuten, dass traditionelle gesellschaftliche Muster, die Rolle der Frau in Familie und Job betreffend, unter amerikanischen Ärztinnen immer noch Realität sind. Dies macht deutlich, dass in diesem Bereich weitere Arbeit vonnöten ist.
„Vom universitären Bereich und dem Wirtschaftssektor könnte die Ärzteschaft lernen, wie man den Konflikt Arbeit / Familie bewältigen kann, der nicht nur einen Verlust guter Ärzte mit sich bringen, sondern auch zu einer Benachteiligung der Frauen in der Arbeitswelt führen kann“, sagt Dyrbye.
Zur Problembewältigung gehören eine familienfreundliche Politik ohne Angst vor Benachteiligung, größere Autonomie bei der Planung am Arbeitsplatz und Ansätze wie Job-Sharing und die Anpassung persönlicher und beruflicher Werte und Prioritäten. In der Praxis heißt das:
- mehr Kinderbetreuungsstätten,
- eigene Krankheitstage für die Pflege von Familienmitgliedern,
- Abbau von Überstunden,
- Beurlaubungsmöglichkeiten.
Quellen:
1. Dyrbye, L.N. et al. (2013). A survey of US physicians and their partners regarding the impact of work-home conflict, Journal of General Internal Medicine. DOI 10.1007/s11606-013-2581-3
2. The Journal of General Internal Medicine ist das offizielle Journal der Society of General Internal Medicine.
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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