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Über Springer - Presse - Springer Select | Verhalten von Hunden hilft bei Entwicklung sozialer Roboter

Heidelberg / New York, 12. September 2013

Verhalten von Hunden hilft bei Entwicklung sozialer Roboter

Hunde reagieren bereitwilliger auf Roboter, die interaktives soziales Verhalten zeigen

Robot and Dog
Gabriella Lakatos von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Loránd-Eötvös-Universität gibt Entwicklern von sozialen Robotern einen Tipp: „Sollten Sie das nächste Mal einen Prototypen testen, bringen Sie Ihren Hund mit ins Labor und beobachten Sie, wie er mit dem Roboter interagiert. Dabei könnten Sie Dinge beobachten, die helfen könnten, die neuen Modelle stets weiter zu optimieren.“ Lakatos ist Erstautorin einer Studie¹, die online in der Springer-Fachzeitschrift Animal Cognition erscheint. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der beste Freund des Menschen kontaktfreudig auf Roboter reagiert, die sich ihm gegenüber sozial verhalten, selbst wenn die Geräte Menschen nicht im Geringsten ähnlich sehen.
Die Studie über das Verhalten von Tieren testete die Reaktion von 41 Hunden. Abhängig von der Interaktion zwischen Mensch und Roboter wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt: „unsozial“ oder „sozial“. Ein Teil der Hunde in der „unsozialen Gruppe“ beobachtete zunächst eine Interaktion zwischen zwei Menschen (dem Hundehalter und dem Experimentator) und anschließend eine unsoziale Interaktion zwischen dem Halter und dem Roboter. Die restlichen Hunde aus dieser Gruppe nahmen an diesen Interaktionen in umgekehrter Reihenfolge teil.
Anschließend beobachtete ein Teil der Hunde in der „sozialen Gruppe“ eine soziale Interaktion zwi-schen dem Hundehalter und dem Experimentator, worauf eine soziale Interaktion zwischen dem Halter und dem Roboter folgte. Die restlichen Hunde aus dieser Gruppe nahmen ebenfalls in umgekehrter Reihenfolge an diesen Interaktionen teil. Diesen Interaktionen folgten Versuchseinheiten mit beiden Hundegruppen, bei denen entweder der Experimentator oder der Roboter auf ein Versteck mit Fressen hinwiesen.
Bei den Versuchen wurde ein menschengroßer, beweglicher PeopleBot-Roboter² mit zwei Armen und vierfingrigen Händen eingesetzt. Ein Roboterarm kann einfache Gesten ausführen und Objekte greifen. Der PeopleBot hat keine Ähnlichkeit mit einem Menschen, sondern gleicht vielmehr einem Gerät aus dem Fitnessstudio, das eine Hand hat, die mit einem Handschuh überzogen ist.
Der Roboter wurde so programmiert, dass er entweder sozial angeregtes, menschenähnliches Verhalten (beispielsweise einen Hund bei seinem Namen zu rufen) zeigte oder sich eher maschinen-ähnlich und in einer unsozialen Art und Weise verhielt. Dem Experimentator, der zusammen mit dem Roboter eingesetzt wurde, war es nur erlaubt, Bewegungen auszuführen, die den Fähigkeiten des Roboters entsprachen. Deshalb konnte er nur eine Hand verwenden, um bestimmte Gesten auszuführen.
Die vom Roboter gezeigte Geselligkeit reichte nicht aus, um bei den Hunden die gleichen sozialen Verhaltensreaktionen hervorzurufen, die sie üblicherweise in den engen Beziehungen mit Menschen zeigen. Die Wissenschaftler zeichneten aber eindeutig positive soziale Interaktionen zwischen den Tieren und dem Roboter auf. Die Hunde verbrachten beispielsweise mehr Zeit in der Nähe des Roboters oder starrten seinen Kopf an, wenn der PeopleBot-Roboter soziales Verhalten zeigte.
Darüber hinaus war es für die Hunde sehr schwierig, das versteckte Fressen zu finden, wenn der Roboter es ihnen zeigte. Die weitere Analyse dieser Ergebnisse zeigt allerdings, dass die Hunde die Beute deutlich leichter fanden, wenn der Roboter das Zeigen durch soziale Gesten unterstützte. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Erfahrung der Hunde mit dem Roboter auch dadurch beeinflusst sein könnte, dass sie, bevor der Roboter ihnen das Fressen zeigte, beobachtet haben, wie ihr Halter mit dem PeopleBot-Roboter interagierte.
Lakatos und ihre Kollegen argumentieren, dass diese Art von Studie nicht nur wichtige Erkenntnisse über die mentalen Prozesse von Lebewesen liefert, sondern auch Hinweise darüber, wie soziale Roboter entwickelt werden sollten. „Roboteringenieure, die interaktive Roboter entwickeln, sollten auch auf die Geselligkeit und das Verhalten ihrer entwickelten Modelle achten, selbst wenn diese keine menschenähnlichen Charakteristiken verkörpern“, rät Lakatos.
Quellenangabe:
1. Lakatos, G. et al (2013). Sensing sociality in dogs: What may make an interactive robot social? Animal Cognition DOI 10.1007/s10071-013-0670-7
2. Die mobile PeopleBot-Plattform wurde am Institute of Computer Engineering, Control and Robotics der Tech-nischen Hochschule Wroclaw in Polen entwickelt.
Der Volltext-Artikel, Fotos und ein Videoclip sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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