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Über Springer - Presse - Springer Select | Verführt das Schreiben von SMS Jugendliche zu antisozialem Verhalten?

Heidelberg / New York, 9. September 2013

Verführt das Schreiben von SMS Jugendliche zu antisozialem Verhalten?

Auswertung von mehr als 76.000 SMS zeigt, dass Jugendliche auch zu antisozialem Verhalten neigen, wenn sie über illegale Themen schreiben

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Müssen Eltern und Lehrer sich darüber Sorgen machen, ob ihre Kinder durch das SMS-Schreiben verstärkt zu antisozialen Verhaltensweisen neigen? Die Antwort des Wissenschaftlers Samuel Ehrenreich von der University of Texas in Dallas lautet: Ja. Zusammen mit seinem Team stellt er die Studie jetzt in der Springer-Zeitschrift Journal of Abnormal Child Psychology vor.Das SMS-Schreiben über antisoziales Verhalten kann bei Jugendlichen in der Tat zu vermehrten Regelverletzungen und Aggressionen führen.
Die Studie gewährt einen einzigartigen Einblick in das soziale Leben Heranwachsender. Erstmalig wurden Textnachrichten zwischen Jugendlichen dokumentiert, die ganz direkt und ungezwungen ausgetauscht wurden; sie wurden dann später nochmal genauer angeschaut und ausgewertet, wenn sich konkrete Verwicklungen in antisozialen Handlungen zeigten. Während der einjährigen Studie verschickten und erhielten 172 Schüler aus neunten Klassen an 47 amerikanischen Schulen 6.000.000 SMS über Blackberry. Die Nachrichten wurden archiviert, und pro Teilnehmer wurden die SMS von jeweils vier Tagen analysiert. Im Fokus standen Diskussionen über Kauf und Nutzung illegaler Substanzen, Eigentumsdelikte, körperliche Aggression und Regelverletzungen. Die Jugendlichen selbst, ihre Eltern und Lehrer gaben vor und nach dem 9. Schuljahr eine Einschätzung ihres Verhaltens ab.
Ehrenreich und sein Team stellten fest, dass die jungen Leute in der Tat Textnachrichten nutzten, um antisoziale Aktivitäten, die oft innerhalb der Schule stattfinden, zu koordinieren. Das SMS-Schreiben über regelverletzende Handlungen ermöglicht den Jugendlichen nicht nur Zugang zu Informationen über illegales und antisoziales Verhalten, sondern verstärkt auch die Vorstellung, dass derartige Aktionen innerhalb der Clique akzeptiert werden. Die Wissenschaftler gehen zwar davon aus, dass das Schreiben von SMS auch die Kommunikation im positiven Sinne fördert, sie glauben jedoch, dass diese Art privater Kommunikation ein ideales Forum darstellt, um antisoziales Vorgehen außerhalb jeglicher Einflussnahme durch Erwachsene zu planen und zu diskutieren.
Die Untersuchung ergab auch, dass Jugendliche, die sich häufig auf SMS-Diskussionen über antisoziale Themen einlassen, möglicherweise bereits anfällig für derartiges Verhalten sind. Vor allem zeigte sich aber, dass die Kommunikation über antisoziale Themen unter auffälligen Jugendlichen deren Beteiligung an Regelverletzungen und aggressivem Verhalten verstärkt. Dies entspricht der Hypothese, dass es in Gruppen von auffälligen Jugendlichen vermehrt zu antisozialen Handlungen kommt.
Zu antisozialem Verhalten gehören typischerweise Aktivitäten, die gesetzliche oder gesellschaftliche Regeln verletzen oder den Opfern Schaden zufügen, einschließlich körperliche Angriffe, Drogenmissbrauch, Diebstahl oder geheime Racheaktionen. Ein derartiges Vorgehen wird oft heimlich unter Freunden diskutiert und abgesprochen, aber vor den Eltern oder Lehrern geheim gehalten.
„Das SMS-Schreiben ist für junge Leute deshalb so interessant, weil sie auf diese Weise alle erdenklichen Themen diskutieren können, ohne die Überwachung von Erwachsenen und die üblichen Kontrollmechanismen“, sagt Ehrenreich. Es ist darum in seinen Augen unabdingbar, dass Lehrer und Schulbehörden die Möglichkeit zum Texten während des Schultages einschränken. „Das SMS-Schreiben ist eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit für Heranwachsende, sich zu illegalen Aktionen zusammenzutun. Erhöhte Aufmerksamkeit vonseiten der Eltern ist geboten.“
Quelle: Ehrenreich S.E. et al. (2013). Adolescents’ text message communication and growth in antisocial behavior across the first year of high school. Journal of Abnormal Child Psychology.
DOI 10.1007/s10802-013-9783-3
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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