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Über Springer - Presse - Springer Select | Der Klimawandel führt zu noch mehr Luftverschmutzung und wird im 21. Jahrhundert wahrscheinlich mehr Menschenleben fordern

Heidelberg / New York, 4. September 2013

Der Klimawandel führt zu noch mehr Luftverschmutzung und wird im 21. Jahrhundert wahrscheinlich mehr Menschenleben fordern

Forderung nach strengerem Immissionsschutz zur Entschärfung der Luftverschmutzung und damit einhergehender Gesundheitsrisiken sowie vorzeitiger Todesfälle

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Es ist davon auszugehen, dass der Klimawandel in diesem Jahrhundert zu einer Verstärkung der Luftverschmutzung führt. Die erhöhte Belastung könnte jährlich weltweit zusätzlich mehr als 100.000 Erwachsenen das Leben kosten. Angesichts der Forschungsergebnisse einer Modellstudie, die online in der Springer-Fachzeitschriftim Climatic Change erscheint, drängt Dr. Yuanyuan Fang (zuvor an der Princeton University und jetzt am Carnegie Institute for Science in Stanford) angesichts des zukünftigen Klimawandels auf strengeren Immissionsschutz, um eine Verschärfung der Luftverschmutzung und die damit zusammenhängenden Gesundheitsprobleme zu vermeiden, insbesondere in den bevölkerungsreichen Regionen der Welt.
Dr. Fang und ihre Kollegen führten verschiedene Simulationen auf Basis der aktuellen und zukünftigen Situation durch. Dabei verwendeten sie das Geophysical Fluid Dynamics Laboratory Atmospheric Model Version 3 (AM3), eines der ersten vollständig gekoppelten Chemie-Klimamodelle, das die Atmosphärendynamik sowie die chemischen und physikalischen Einflüsse berücksichtigt. Eine frühere Version dieses Modells zählte nach Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change Fourth Assessment Report (IPCC AR4) zu den besten Simulationsmodellen. Das Forschungsteam untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Qualität der Oberflächenluft und die zu erwartenden Einflüsse auf die weltweiten Gesundheitsstatistiken. Dabei gingen die Wissenschaftler von einem moderaten Klimawandel-Szenario in Übereinstimmung mit den Ergebnissen des aktuellen IPCC-AR4-Berichts aus. Sie setzten den Anstieg der globalen Oberflächentemperatur mit 2,7 °C und die Niederschlagszunahme mit 6 Prozent an.
Der Klimawandel wird auf vielfache Weise als Bedrohung für die menschliche Gesundheit angesehen. Zu den Risiken zählen unter anderem Probleme bei der Lebensmittelproduktion, Hitzestress, der Anstieg des Meeresspiegels, die Zunahme der Sturmstärke, Überschwemmungen und Dürren sowie eine Zunahme der von Insekten übertragbaren Krankheiten. Der Klimawandel beeinflusst auch indirekt die Gesundheit durch seinen Einfluss auf die Konzentration von Luftschadstoffen, wie beispielsweise dem bodennahen Ozon und ultrafeinen Partikeln (dazu zählen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern) einschließlich Sulfaten, Nitraten, Feinstaubpartikeln und Rußteilchen. Diese Luftschadstoffe stehen in Verbindung mit einem erhöhten Risiko von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Lungenproblemen sowie allgemeinen Todesfällen.
Die Studie hat gezeigt, dass der Klimawandel die Luftverschmutzung und die damit verbundenen weltweiten Gesundheitsrisiken verschärft, insbesondere in dicht besiedelten und verschmutzten Regionen in Ostasien, Südasien und Nordamerika. Die Zunahme der Gesundheitsrisiken beruht vor allem auf der Zunahme der ultrafeinen Partikel beim Klimawandel. Die Studie macht deutlich, dass die Abschwächung der Wirbelstürme und eine zunehmende Stagnation über dem Nordosten der Vereinigten Staaten unter den zukünftigen Klimabedingungen in dieser Region wahrscheinlich zu einem Anstieg des gesundheitsschädlichen bodennahen Ozons führen werden.
Sollte der Emissionsausstoß unverändert anhalten, sagen Dr. Fang und ihre Kollegen voraus, dass die Zunahme der vorzeitigen Todesfälle aufgrund der zunehmenden Luftverschmutzung jährlich weltweit bei insgesamt 100.000 liegen wird. Sie vermutet, dass es zu einer Zunahme von 6300 jährlichen Todesfällen kommt, die wegen Atemwegserkrankungen durch die Inhalation von Ozon sterben. Auf Basis regionaler Statistiken der Weltgesundheitsorganisation berechneten die Wissenschaftler die entsprechende Anzahl der jährlich verlorenen Lebensjahre (eine Schätzung der verlorenen Lebensjahre für jeden vorzeitigen Todesfall bezogen auf die Lebenserwartung) mit zusätzlichen 900.000 Jahren.
Ko-Autorin Prof. Denise Mauzerall sagt: „Diese Ergebnisse zeigen, das zukünftig ein strengerer Immissionsschutz erforderlich ist, um die aktuellen Luftreinhaltenormen einhalten zu können und größere Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit der Verschärfung der Luftverschmutzung als Folge des Klimawandels zu vermeiden.“
„Zukünftig werden Umweltrichtlinien zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen und erwärmenden Aerosolen zusätzlich zu den traditionellen Luftschadstoffen sinnvoll sein, um die Luftqualität zu verbessern und die menschliche Gesundheit zu schützen,“ rät Dr. Fang.
Quelle: Fang Y. et al (2013). Impacts of 21st century climate change on global air pollution-related premature mortality, Climatic Change, DOI 10.1007/s10584-013-0847-8
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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