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Über Springer - Presse - Springer Select | Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Sterblichkeit variiert bei Diabetikern

Heidelberg / New York, 12. August 2013

Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Sterblichkeit variiert bei Diabetikern

Wissenschaftler fordern, bei Bevölkerungsstudien zum Zusammenhang von Gewicht und Mortalität auch den Diabetes-Status zu berücksichtigen

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Die Verbindung zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Sterblichkeit scheint bei Erwachsenen ohne Diabetes stärker zu sein als bei Menschen mit Diabetes. Dieses Forschungsergebnis1 im Rahmen einer Studie von Chandra Jackson von der Harvard School of Public Health und Kollegen wird jetzt im Journal of General Internal Medicine2 veröffentlicht. Die Wissenschaftler empfehlen, bei Studien zu Körpergewicht und Mortalität auch den Einfluss des Diabetes-Status zu berücksichtigen.
Für die Auswertung nutzte Jacksons Team die Daten einer national repräsentativen Auswahl von 74.710 schwarzen und weißen erwachsenen Amerikanern zwischen 35 und 75 Jahren, die an der National Health Interview Survey teilnahmen. Fünf Prozent der Teilnehmer gaben eine diagnostizierte Diabetes an. Die Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren begleitet und Todesfälle wurden vom National Death Index bestätigt.
Der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) berücksichtigt zur Körperfettbestimmung eines Menschen Größe und Gewicht. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Menschen mit hohem Body-Mass-Index ein höheres Sterberisiko und einen generell schlechteren Gesundheitszustand haben.
Fettleibigkeit, definiert als BMI≥30, ist in den Vereinigten Staaten ein ernsthaftes Gesundheitsproblem. Adipositas ist anerkannter Risikofaktor für verschiedene, kostenintensive Erkrankungen, darunter Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2 und bestimmte Krebsarten. Bei Menschen mit extremer Adipositas oder Körperfettanteil geht man von einem signifikant höheren Todesrisiko aus als bei Normalgewichtigen. Dennoch ist der Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und BMI immer noch unklar und bleibt umstritten.
Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass sich das Gewicht bei Diabetikern möglicherweise anders auf die Sterbewahrscheinlichkeit auswirkt als bei der übrigen Bevölkerung. Insgesamt waren die Todesraten unter Diabetikern erheblich höher als unter Nichtdiabetikern. Im Vergleich zu Normalgewichtigen sank die Todesrate allerdings bei Übergewichtigen mit Diabetes erheblich, während sie bei Übergewichtigen ohne Diabetes deutlich anstieg.
Aufgrund dieser Unterschiede glauben Jackson und ihre Kollegen, dass Diabetes Typ 2 bei zukünftigen Studien zum Zusammenhang zwischen BMI und Mortalität unbedingt berücksichtigt werden sollte, so wie es zur Sicherstellung stichhaltiger Bewertungen bereits bei Herzerkrankungen, Rauchen und Krebs der Fall ist – diese Bedingungen können das Körpergewicht beeinflussen und die Verbindung zwischen BMI und Mortalität verzerrt erscheinen lassen. Jackson hierzu: „Unsere Ergebnisse waren in der Tat überraschend. Sie lassen sich möglicherweise zurückführen auf das in der Epidemiologie chronischer Krankheiten häufig zu beobachtende Phänomen der sogenannten „umgekehrten Kausalität“: Das Gewicht einer Person kann zur Zeit der Umfrage von der Krankheit beeinflusst sein, etwa wenn diese in fortgeschrittenem Stadium zu Gewichtsverlust und Muskelschwund führt. Dieses scheinbare Adipositas-Paradoxon, das in der Vergangenheit bei Diabetes-Patienten beobachtet wurde, könnte in der Tat auf methodologische Einschränkungen zurückzuführen sein, die solche Studien beeinflussen können. Unter klinischen und gesundheitspolitischen Aspekten sollte Menschen mit oder ohne Diabetes weiterhin empfohlen werden, ein vernünftiges Gewicht zu erzielen und zu halten.“
Quellen
1. Jackson, C.L. et al (2013). Body-Mass Index and All-Cause Mortality in US Adults With and Without Diabetes, Journal of General Internal Medicine; DOI 10.1007/s11606-013-2553-7
2. The Journal of General Internal Medicine is the official journal of the Society of General Internal Medicine.
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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