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Über Springer - Presse - Springer Select | Historische Geheimnisse über Stradivaris Handwerk gelüftet

Heidelberg / New York, 8. Juli 2013

Historische Geheimnisse über Stradivaris Handwerk gelüftet

Studie liefert Beweise dafür, dass die Kunstfertigkeit des Geigenbauers auf Traditionen antiker Künstler beruhte

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Mit welchen Techniken arbeitete der Violinenmeister Antonio Stradivari im 17. Jahrhundert? Um diese ermitteln zu können, wurden in einer neuen Studie unterschiedliche Analysemethoden angewandt. Marco Malagodi von der Università degli Studi di Pavia in Italien und seine Kollegen versuchten auch, Stradivaris Handwerkskunst zu reproduzieren. Ihre Forschungsarbeit ist online in der Springer-Fachzeitschrift Applied Physics A - Materials Science & Processing erschienen.
Antonio Stradivari gilt weltweit als einer der berühmtesten Geigenbauer. Zu seinen Lebzeiten bauten er und seine Lehrlinge mehr als tausend Violinen, Bratschen, Celli und andere Streichinstrumente. Die Bedeutung von Stradivaris Arbeit liegt in seiner Handwerkskunst, der Qualität der verwendeten Materialien und dem Oberflächenlack der Instrumente. Der Klang einer Violine ist das Ergebnis aus der Kombination der verwendeten Materialien, zum Beispiel den Holzarten und Lackierungen, der Konstruktionstechnik und den Fertigkeiten des Instrumentenbauers.
Malagodi und sein Team wandten unterschiedliche Diagnosetechniken an, um die Eigenschaften und die Zusammensetzung der Materialien der Violinendecke einer echten Stradivari zu ermitteln. Sie untersuchten auch die Oberflächenbeschichtungen und Verzierungen.
Ihre Analyse zeigte, dass auf der Oberfläche der Violinendecke aufgrund ausgiebiger und übermäßiger Restaurierungsmaßnahmen keine Lackschichten vorhanden waren. Die Wissenschaftler identifizierten auch den Farbstoff, der für die schwarzen Schichten der Einlagen* verwendet wurde und die Eigenschaften der schwarzen und weißen Elemente der Verzierungen. Hierdurch konnte bestätigt werden, dass Stradivari antike Techniken zum Einfärben von Holz einsetzte.
Anschließend erstellten die Wissenschaftler auf Basis ihrer Entdeckungen eine Kopie der Violinendecke, wobei sie gleichartige Materialien benutzten, wie sie bei der echten Stradivari-Violine verwendet wurden. Zum Vergleich führten sie anschließend die gleiche detaillierte Analyse durch.
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Unsere Untersuchungen haben einige wichtige Erkenntnisse über die handwerklichen Techniken von Antonio Stradivari geliefert und ermöglichen Hypothesen über die Rezepturen, die der Geigenbaumeister selbst oder seine Lieferanten verwendeten, um seine Instrumente zu verzieren. Diese Forschungsergebnisse stellen einen wichtigen Schritt bei der Untersuchung der Materialien dar, mit denen die Geigenbauer während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Norditalien arbeiteten.“
*Einlagen bestehen aus drei Holzstreifen, die zusammengeklebt und als schmückendes Detail genau entlang der umlaufenden Kante der Violine eingesetzt werden.
Quelle
Malagodi M et al (2013). A Multi-Technique Chemical Characterization of a Stradivari Decorated Violin Top Plate. Applied Physics A - Materials Science & Processing; DOI 10.1007/s00339-013-7792-2
Der Volltext-Artikel und ein Foto sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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