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Über Springer - Presse - Springer Select | Lungenentzündung durch Husten diagnostiziert

Heidelberg / New York, 27. Juni 2013

Lungenentzündung durch Husten diagnostiziert

Hustengeräusche liefern wichtige Hinweise, ob bei Kindern eine Lungenentzündung vorliegt

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Bisher war es schwierig, in ärmeren und abgelegenen Regionen eine Lungenentzündung bei Kindern zuverlässig zu diagnostizieren. Udantha Abeyratne von der University of Queensland in Australien und seine Kollegen haben eine einfache Methode entwickelt, die völlig neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Lungenentzündungen bei Kindern in abgelegenen Gegenden bietet. Die Hustengeräusche werden einfach mit einem Mikrofon am Nachttisch des Patienten aufgezeichnet. Die wissenschaftliche Arbeit¹ ist online in der Springer-Fachzeitschrift Annals of Biomedical Engineering² erschienen.
Lungenentzündung ist die weltweit häufigste Todesursache bei Kleinkindern. Da es sich dabei vorwiegend um eine Armutskrankheit handelt, treten die meisten Todesfälle in ressourcenarmen Regionen wie beispielsweise Subsahara-Afrika, Südasien und in entlegenen Gebieten Chinas auf. Der Mangel an Laboren und geschultem Gesundheitspersonal in diesen Regionen bringt Schwierigkeiten bei der schnellen Diagnose und der adäquaten Behandlung von Lungenentzündungen bei Kindern mit sich.
Zurzeit nutzen die Sozialarbeiter in diesen Regionen einfache klinische Algorithmen der Weltgesundheitsorganisation zur Diagnose einer Lungenentzündung. Dies wirft Probleme auf, wie beispielsweise einen hohen Anteil an falsch positiven Ergebnissen, die wiederum zur übermäßigen Verschreibung der ohnehin knappen Antibiotika führen.
Die Arbeit von Abeyratne und seinem Team hat eine praktische Alternative gefunden, die die Diagnose einer Lungenentzündung erleichtert. Husten ist eines der Hauptsymptome der Lungenentzündung und liefert wichtige Informationen über die unteren Atemwege, insbesondere über die Verfestigung der Lunge und Sekretionen. Diese Infektionsmarker verändern die akustischen Eigenschaften des Hustens und helfen bei der Identifizierung spezifischer Merkmale einer Lungenentzündung.
Die Wissenschaftler analysierten 815 Hustenanfälle, die bei insgesamt 91 Kindern mit und ohne Lungenentzündung im Sardjito Hospital der Gadjah Mada University in Indonesien aufgezeichnet wurden. Die Hustengeräusche wurden mit Mikrofonen aufgenommen, die auf den Nachttischen neben den Patienten aufgestellt waren. Sie wurden in Fälle mit und ohne Lungenentzündung eingeordnet. Die Wissenschaftler verwendeten die gesamten klinischen Diagnosen der pädiatrischen Lungenfachärzte, denen Routine-Diagnosetechnologie zur Verfügung stand, um die Klanganalysen zu validieren. Nur auf Basis der Hustengeräusche konnten mit diesem neuen Verfahren 90 Prozent der Fälle von Lungenentzündungen identifiziert werden. Dies bedeutet, dass bei den meisten Patienten, die tatsächlich an einer Lungenentzündung litten, die richtige Diagnose gestellt wurde. Darüber hinaus führte die neue Technik zu einem niedrigeren Anteil an falsch positiven Ergebnissen und unterbot dabei die bestehenden WHO-Algorithmen für ressourcenarme Regionen.
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Unsere Ergebnisse zeigen die Möglichkeit eines Diagnoseansatzes für Lungenentzündungen bei Kindern in ressourcenarmen Regionen auf Basis von Hustengeräuschen. Die einfachste Ausführung dieser Technologie benötigt 5 bis 10 Hustengeräusche, um unmittelbar eine Diagnose zu liefern – dabei ist ein physischer Kontakt mit dem Patienten nicht erforderlich. Wenn sich diese Methode durchsetzt, stellt ein solches System eine Neuheit bei der Diagnose von Lungenentzündungen in abgelegenen Regionen dar, die zu einem Paradigmenwechsel führen wird.“
Quellenangabe
1. Abeyratne UR et al (2013). Cough Sound Analysis Can Rapidly Diagnose Childhood Pneumonia. Annals of Biomedical Engineering. DOI: 10.1007/s10439-013-0836-0
2. Die Wissenschaftler danken der Bill & Melinda Gates Foundation aus den USA für die Finanzierung dieses Forschungsprojektes im Rahmen des Grand Challenges in Global Health Explorations Grant Scheme.
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

Kontakt  

Sophia Grein, Springer, Tel.: +49-6221-487-8414, sophia.grein@springer.com