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Über Springer - Presse - Springer Select | Wie Vögel die Aufzucht von Kuckucksjungen vermeiden

Heidelberg / New York, 8. April 2013

Wie Vögel die Aufzucht von Kuckucksjungen vermeiden

Studie zeigt: Schwalben und Hausschwalben brüten im Haus oder in der Nähe von Menschen, um keine Kuckuckskinder aufzuziehen

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Einige Vogelarten ziehen ihre eigenen Jungen nicht selbst auf, sondern geben diese Aufgabe an andere Vogelarten ab. Dieses Verhalten, bekannt als Brutparasitismus, wurde beim Kuckuck besonders gründlich erforscht. Bisherige Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass die Nester von Schwalben und Hausschwalben in Europa selten vom Kuckuck befallen werden. Eine neue Studie von Wen Liang von der Hainan Normal University in China und seinen Kollegen deutet daraufhin, dass Schwalben ihre Nester in der Nähe von Menschen bauen, um besser von Brutparasitismus verschont zu bleiben. Die Forschungsergebnisse erscheinen in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
Wenn ein Kuckuck ein Ei in einem Wirtsnest ablegt, erkennt der Wirt entweder, dass es sich dabei nicht um sein eigenes Ei handelt und wirft es aus dem Nest oder er brütet das Kuckucksei aus. Wenn der Kuckuck schlüpft, schiebt das Küken normalerweise alle anderen Eier und Nestlinge über die Kante aus dem Nest. Sind die Wirtseltern erst einmal ihrer eigenen Jungen ‚beraubt‘, verwenden sie ihre gesamte Zeit und Energie darauf, den Kuckuck zu füttern.
Der Kuckuck bevorzugt offene Gebiete für die Ablage seiner Eier und ist selten in Dörfern und Städten anzutreffen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der schwach ausgeprägte Brutparasitismus bei Schwalben und Hausschwalben in Europa darauf zurückzuführen ist, dass diese Vögel mittlerweile nah bei Menschenansiedlungen brüten und ihre Nester in Gebäuden bauen. Die Rauchschwalbe in China nistet noch vorwiegend außerhalb menschlicher Siedlungen. Interessanterweise ist bei ihr aber ebenfalls nur ein geringer Brutparasitismus durch Kuckucke zu verzeichnen.
Um die Ursachen für dieses Phänomen besser zu verstehen, platzierten die Wissenschaftler nachgeahmte Kuckuckseier in den Nestern von Rauchschwalben, Hausschwalben und Rötelschwalben. Sie fanden heraus, dass die künstlichen Kuckuckseier wesentlich häufiger von Vögeln aussortiert wurden, die draußen nisteten als von Vögeln, die drinnen nisteten.
Die Autoren sind der Ansicht, dass die europäischen Schwalben und Hausschwalben mit der Zeit immer häufiger ihre Nester in Gebäuden und an Plätzen bauten, die für Kuckucke unzugänglich sind, um Brutparasitismus zu vermeiden. Deshalb ist bei diesen Vögeln die Fähigkeit, die künstlichen Kuckuckseier als Fälschung zu erkennen und aus ihren Nestern zu werfen, weniger entwickelt. Die Rauchschwalben in China bauen ihre Nester immer noch außerhalb menschlicher Siedlungen und werden deshalb eher Opfer von Brutparasitismus. Sie können besser beurteilen, wenn ein Ei nicht ihr eigenes ist und entfernen dieses umgehend aus ihrem Nest. Daran wird deutlich, dass sie eine alternative Strategie entwickelt haben, um dem Brutparasitismus zu entgehen.
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Potentielle Wirte für den Kuckuck, die in der Nähe menschlicher Siedlungen nisten, besitzen durch ihre Nester in Gebäuden einen selektiven Vorteil, da sie hierdurch das Parasitismus-Risiko verringern. Kuckucke befallen häufiger Rauchschwalbennester außerhalb von Gebäuden als innerhalb. Diese Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass es zur Abwehr von Brutparasitismus für die Vögel vorteilhafter ist, wenn sie nah bei Menschenansiedlungen nisten.“
Quelle
Liang, W. et al. (2013). Avoiding parasitism by breeding indoors: cuckoo parasitism of hirundines and rejection of eggs. Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007/s00265-013-1514-9
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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