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Über Springer - Presse - Springer Select | Facebook-Postings bleiben im Gedächtnis

Heidelberg | New York, 15. Januar 2013

Facebook-Postings bleiben im Gedächtnis

Bemerkungen in Mikroblogs, ganz spontan geäußert, sind besonders einprägsam

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Facebook-Postings prägen sich deutlich besser ein als Bücher oder sogar menschliche Gesichter. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Laura Mickes und Kollegen von der University of California San Diego in den Vereinigten Staaten. Die Erinnerung an Mikroblogs und Texte aus Büchern unterscheidet sich so grundlegend voneinander wie das Gedächtnis eines gesunden Menschen von dem Gedächtnis einer an Amnesie leidenden Person. Die Arbeit erscheint online im Springer-Journal Memory & Cognition.
Soziale Online-Netzwerke sind sehr populär: Hier kann jeder seine Gedanken als Mikroblog posten. Eine Möglichkeit, die bei Facebook über dreißig Millionen Mal pro Stunde genutzt wird. Man könnte meinen, dass solche Postings sehr kurzlebig seien und sofort wieder aus dem Gedächtnis verschwänden – das Gegenteil ist der Fall.
Mickes und ihr Team untersuchten, wie es um die Erinnerung an solche Mikroblogs bestellt ist. In einer Reihe von Experimenten mit Studenten verglichen sie die Einprägsamkeit von Facebook-Postings mit der von menschlichen Gesichtern und Sätzen aus Büchern. Sie gingen auch der Frage nach, ob die Einprägsamkeit der Postings möglicherweise mit der Stimulierung sozialen Denkens zusammenhängt, ob also Verbindungen zu Menschen oder Situationen hergestellt werden, nach dem Motto: „Das könnte auch mein Freund posten.“
Die beiden ersten Experimente machten deutlich, dass sich die Teilnehmer weitaus besser an Facebook-Postings erinnerten als an menschliche Gesichter oder Sätze aus Büchern. Dieser Unterschied hatte aber offenbar keine soziale Komponente, das bedeutet es wurden keine mentalen Verbindungen zu anderen Ereignissen, Situationen oder Menschen hergestellt.
Die Autoren prüften auch, ob Facebook-Postings vielleicht deshalb so einprägsam sind, weil sie kohärente und vollständige Gedanken darstellen. Sie verglichen zu diesem Zweck die Erinnerung an Schlagzeilen aus der Zeitung und Sätze aus Geschichten mit Leserkommentaren zu Nachrichten und Unterhaltungsartikeln. Die Analyse zeigte, dass die Leserkommentare am einprägsamsten waren. Dass man sich an Mikroblogs so gut erinnern kann, hängt deshalb weder ausschließlich mit ihrer Vollständigkeit noch mit dem Thema zusammen; ausschlaggebend ist eher eine Kombination aus beidem. Sowie die Tatsache, dass es sich bei den Mikroblogs um spontan entstandene, natürliche Sprache ganz normaler Menschen handelt.
Die Autoren: „Unsere Arbeit geht einem neuen Phänomen auf den Grund: der unglaublichen Einprägsamkeit der Mikroblogs. Facebook-Postings bleiben einfach haften. Diese Bemerkungen ganz normaler Menschen sprechen die grundlegenden Sprachfähigkeiten unseres Gehirns wahrscheinlich eher an als professionell formulierte Sätze. Vielleicht sind es gerade diese spontanen und ohne viel Nachdenken formulierten Äußerungen, die darum so gut im Gedächtnis bleiben.“
Quelle:
Mickes L et al (2013). Major memory for microblogs. Memory & Cognition; DOI 10.3758/s13421-012-0281-6
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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