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Über Springer - Presse - Springer Select | Missbrauch frei verkäuflicher Arzneimittel unterschätzt

Heidelberg / New York, 4. Oktober 2012

Missbrauch frei verkäuflicher Arzneimittel unterschätzt

Neue ToxIC-Studie stellt den aktuellen Trend bei Medikamentenvergiftungen fest

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Frei verkäufliche Arzneimittel sind ebenso häufig der Grund für Vergiftungen wie rezeptpflichtige Arzneimittel. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie von Timothy Wiegand von der University of Rochester Medical Center in den USA und seinen Kollegen. Ihre Arbeit mit der Datenauswertung des zweiten Jahresberichts des Toxicology Investigators Consortiums erscheint in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Journal of Medical Toxicology.
Im Jahr 2010 richtete das College of Medical Toxicology das Verzeichnis ToxIC ein, das als Echtzeit-Überwachungssystem aktuelle ‚Vergiftungs-Trends‘ aufzeigt und im Bereich der medizinischen Toxikologie ein leistungsfähiges Forschungsinstrument darstellt. Die teilnehmenden Institute in den USA pflegen alle Fälle, die von ihren Toxikologen bewertet werden, in diese Datenbank ein. Wiegand und seine Kollegen analysierten die Daten 28 teilnehmender Zentren aus dem Jahr 2011.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass von den 10.392 Fällen, die in die Datenbank eingetragen waren, 59 Prozent Notfallpatienten waren. Der häufigste Grund für das Hinzuziehen von Toxikologen war eine Arzneimittelüberdosierung. Dies war bei 48 Prozent der Patienten der Fall, wobei in 37 Prozent der Fälle eine bewusste Überdosierung vorlag und in 11 Prozent eine unbeabsichtigte. Die am häufigsten eingenommenen Arzneimittel waren Schlaftabletten, Muskelrelaxantien, nicht-opioide Schmerzmittel (wie Paracetamol und Ibuprofen), opioide Schmerzmittel und Antidepressiva.
Darüber hinaus waren in den USA im Jahr 2011 insgesamt 35 Todesfälle durch Medikamentenüberdosierung zu verzeichnen, zehn aufgrund opioider und acht durch nicht-opioide Schmerzmittel. Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass Fälle mit Designerdrogen wie beispielsweise psychoaktiven ‚Badesalzen‘ und synthetischen Cannabinoiden von 2010 auf 2011 deutlich zugenommen haben.
Dr. Wiegand kommt zu der Schlussfolgerung: „Viele der bisherigen Bedenken zu verschreibungspflichtigen Arzneimitteln haben sich auf Opioide konzentriert. Während Opioide natürlich bedenklich in Bezug auf Krankheits- und Todesursache bei Überdosen sind, weisen die gemeldeten Daten darauf hin, dass auch verstärkt Schlafmittel berücksichtigt werden sollten. Unsere Datenanalyse zeigt, dass das Problem des Medikamentenmissbrauchs nicht vollständig erfasst werden kann, wenn ausschließlich der Missbrauch von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln berücksichtigt wird und frei verkäufliche Medikamente nicht mit einbezogen würden.“
Quelle:
Wiegand TJ et al (2012). The Toxicology Invetigators Consortium Case registry - the 2011 experience. Journal of Medical Toxicology; DOI 10.1007/s13181-012-0264-9
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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