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Über Springer - Presse - Springer Select | Das Echo kann trügen: Nicht alles, was gut klingt, ist auch gut

New York / Heidelberg, 21. Mai 2012

Das Echo kann trügen: Nicht alles, was gut klingt, ist auch gut

Fledermäuse optimieren ihre Jagdstrategie durch sensorische Wahrnehmungsfähigkeiten

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Fledermäuse nutzen eine Kombination von Wahrnehmungsfähigkeiten in ihrem Jagdablauf, bei denen sie entscheiden, welche Beute sie angreifen, fangen und fressen wollen, von welcher sie lieber gleich ablassen und welche auf halber Jagdstrecke besser fallen gelassen werden sollte. Lauschende Fledermäuse richten sich zunächst nach den Geräuschen ihrer Opfer, danach schätzen sie deren Größe ab und testen schließlich ihren Geschmack. Die von Dr. Rachel Page und ihrem Team vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama durchgeführte Studie erscheint online in der Springer-Zeitschrift Naturwissenschaften – The Science of Nature.
Um zu überleben, müssen Jäger Beute finden, die sowohl die richtige Größe hat als auch genießbar ist. Dazu setzen sie oft mehrere Wahrnehmungstechniken ein, mit deren Hilfe sie ihre Beute ausfindig machen und beurteilen können. Die Experimente von Page und ihren Kollegen zeigen, dass die Fransenlippenfledermaus, Trachops cirrhosus, die sich von ganz verschiedenen Beutetieren wie z.B. Fröschen ernährt, zunächst akustische Signale aus einiger Entfernung nutzt. Danach verfeinert die Fledermaus ihre Jagdstrategie, indem sie aus kurzer Distanz die Größe ihres Opfers einschätzt, vermutlich durch Echolokation. Schließlich probiert sie den Geschmack ihrer Beute mit Hilfe chemischer Wahrnehmungselemente. So bewertet sie während der Jagd die Eignung ihrer Beute stufenweise neu.
Die Forscher untersuchten acht Fledermäuse auf Barro Colorado Island in Panama. Sie wollten wissen, ob die Fledermäuse die Informationen über ihre Beute ständig aktualisierten, um mögliche tödliche Irrtümer zu minimieren. Die Rufe einer wohlschmeckenden Art von Fröschen wurde genutzt, um die Fledermäuse anzulocken. Anschließend boten sie den Fledermäusen eine Kombination von ‚unbehandelten‘ und vergifteten Beutetieren an: die von Fledermäusen präferierte Beutespezies (der Tungarafrosch) und zwei tödliche Kröten (die große Zuckerrohrkröte und die kleine Blattkröte).
Die Rufe der Frösche lösten ein Angriffsverhalten aus, wobei die Fledermäuse während der Annäherung jedoch der Reihe nach zusätzliche Wahrnehmungselemente nutzten, um ihre Informationen bezüglich der Beutegröße und –eignung zu aktualisieren. Sowohl genießbare als auch giftige kleine Frösche wurden gefangen, große giftige Kröten hingegen zogen zwar das Interesse der Fledermäuse auf sich, wurden dann aber unbeachtet gelassen. Dies lässt darauf schließen, dass die Fledermäuse die Beute zuerst aus kurzer Distanz abschätzen und auf diese Weise nur die Frösche und Kröten fangen, deren Größe angemessen ist.
Sobald die Fledermäuse ihre Beute gefangen haben, nutzen sie chemische Wahrnehmungsfähigkeiten, um endgültig zu entscheiden, ob sie ihre Beute fressen wollen oder nicht. Tatsächlich ließen sie kleine giftige Kröten unmittelbar oder kurz nach dem Beutefang genauso fallen wie schmackhafte Frösche, die mit Krötengift überzogen waren.
Diese Resultate lassen darauf schließen, dass Echolokation und chemische Wahrnehmungselemente auf kurze Entfernung zusätzliche Informationen zu den akustischen Signalen aus größerer Entfernung liefern.
Die Autoren fassen zusammen: „Unsere Studie demonstriert, dass Fledermäuse nach der anfänglichen Beurteilung der Beute die Fähigkeit haben, alternative sensorische Wahrnehmungselemente einzusetzen, um so ihre Beute auf kurze Entfernung stufenweise neu bewerten zu können. Somit reduzieren sie die potentiellen Gefahren eines tödlichen Fehlers. Unsere Resultate zeigen, wie komplex der Jagdvorgang ist, bei dem die Beute stufenweise anvisiert, letztlich dann aber nochmals flexibel neu bewertet wird.“
Quelle :
Page RA et al (2012). Sequential assessment of prey through the use of multiple sensory cues by an eavesdropping bat. Naturwissenschaften – The Science of Nature; DOI 10.1007/s00114-012-0920-6.
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.
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Kontakt:
Janine Haubenreisser, Tel.: +49 62 21 487 84 14, janine.haubenreisser@springer.com

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