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Berlin | Heidelberg | Wiesbaden, 18. September 2013

Wer regiert, bestimmen die Spätentscheider – und die Medien

Die Zahl der Stammwähler sinkt, immer mehr Deutsche treffen ihre Wahlentscheidung in letzter Minute | Aktuelle Studie analysiert Ursachen und Einfluss der Medien bei der Bundestagswahl 2009 und diskutiert, bis zu welchem Zeitpunkt Umfrageergebnisse veröffentlicht werden sollen

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Laut einer repräsentativen Mehr-Methoden-Studie zur Bundestagswahl 2009 waren sich 50 Prozent der Befragten zu Beginn der heißen Wahlkampfphase vier Wochen vor der Wahl noch nicht sicher, wem sie ihre Stimme geben. Und der Anteil dieser sogenannten Spätentscheider wird nach Ansicht der Wissenschaftler weiter steigen. Während die Stammwähler traditionell mehr oder weniger immer dieselbe Partei wählen und somit bisher eine solide Basis gebildet haben, bilden sich die Spätentscheider ihre Meinung kurzfristig und nicht zuletzt anhand von aktuellen Informationen aus den Massenmedien. Der Einfluss der Berichterstattung geht nach den aktuellen Studien-Ergebnisse, die gerade im Fachbuch "Die Spätentscheider" bei Springer VS erschienen sind, auch von der Darstellung möglicher Koalitionen aus.
Der Spätentscheider, das unbekannte Wesen: Wählt er irrational, emotional und impulsiv? Oder ist er im Gegenteil besonders gewissenhaft und nimmt sich die Zeit, um im Verlauf des Wahlkampfs Argumente gründlich gegeneinander abzuwägen? Die Antwort der Wissenschaftler nach der Auswertung der Umfrage ist eindeutig: Sowohl als auch. Denn wie auch bei den Frühentscheidern, spaltet der Grad des politischen Wissens und Interesses die Gruppe der Spätentscheider in die uninvolvierten und involvierten Vertreter. Wider Erwarten sind es aber gerade die involvierten Nutzer aufgrund ihres großen Informationsbedürfnisses und der großen Bedeutung, die sie den Medien geben, anfälliger für Medienwirkungen. Die uninvolvierten Spätentscheider hingegen treffen ihre Wahlentscheidung auf einer außerordentlich schmalen Informationsbasis und eher intuitiv als reflektiert.
Die Autoren Carsten Reinemann, Marcus Maurer, Thomas Zerback und Olaf Jandura sind überzeugt: "Die Studien-Ergebnisse sind nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Planung von Wahlkampagnen der Politik, die Berichterstattung der Massenmedien und den Umgang mit Umfragen von Bedeutung." Denn die Entscheidungen der Spätentscheider könnten auch in der heißen Wahlkampfphase noch zu fundamentalen politischen Verschiebungen führen – und zwar auch über die politischen Lager hinweg. Für die politischen Parteien bedeute dies, dass sich kommunikative Anstrengungen in den Kampagnen tatsächlich bis zum Schluss lohnen. Die Medien fordern die Wissenschaftler auf, bei der Darstellung von Meinungsklima und Umfrageergebnissen auch weiterhin auf die Zahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt noch unentschlossenen Wähler hinzuweisen. Zudem müssten alle Umfragedaten, die bis zum Wahltag erhoben werden, umgehend veröffentlicht werden. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass die Bürger auf einer möglichst validen Basis entscheiden, ob und wie sie ihre Stimme taktisch vergeben wollen.
Dr. Carsten Reinemann ist Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt politische Kommunikation am Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München und Sprecher des interdisziplinären Munich Center on Governance, Communication, Public Policy and Law (MCG).
Dr. Marcus Maurer ist Professor für Empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Dr. Thomas Zerback ist Akademischer Rat am Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München mit den Schwerpunkten politische Kommunikation, Methoden und Wirkungsforschung.
Dr. Olaf Jandura ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der empirischen Kommunikationsforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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